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Wirkung von Linie, Fläche und Farben: Monika Ziemer mit ihrem Kurator Harald Kröner in der Raphaelkirche.  Fotos: Meyer 
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Monika Ziemers Malerei-Ausstellung spielt mit einem Kompositionsprinzip der Musik

Pforzheim. Wenn es um bildende Kunst geht, ist es häufig schwer, Sichtbarkeiten in Worte zu fassen. Meist hilft ein Vergleich mit anderen Lebensbereichen, der etwas verdeutlichen kann. Und häufig dienen Begriffe aus der Musik dazu, sich einem Thema anzunähern. So auch bei der aktuellen Ausstellung von Monika Ziemer in der Raphaelkirche, die am Sonntag um 11.45 Uhr eröffnet wird.

„Kontrapunkt“ also, jene Technik des musikalischen Satzes, in der mehrere Stimmen gleichberechtigt nebeneinanderher geführt werden – im bildungssprachlichen Sinne schlicht ein Gegenpol. Ziemers Arbeiten stellen kunstimmanente Fragen: Wie wirkt eine Linie, Fläche oder Farbe, wenn sie sich auf der Fläche bewegt und einem anderen Element begegnet? Wie entsteht daraus ein Ganzes? Wann wird es einseitig – überladen, süß, herb, unfertig, beliebig, trivial, konventionell? Wann ist es in sich schlüssig und gelöst?

Monika Ziemer wurde 1951 in Stuttgart geboren, wo sie in den 1970er-Jahren Kunst an der Akademie der Bildenden Künste sowie Kunstwissenschaft an der Universität studiert hatte. 1976 war sie Gründungsmitglied der Galerie Brötzinger Art. Ziemer lebt und arbeitet in Wurmberg. Nachdem sie seit einigen Jahren die Ausstellungen in der Raphaelkirche betreut, richtet ihr nun ihr ehemaliger Co-Kurator Harald Kröner dort die Einzelausstellung aus. Die beiden kennen sich über diese gemeinsame Tätigkeit schon lange. „Die dabei entstandene, sehr persönliche Zusammenstellung ermöglicht einen durchaus neuen Blick auf ihre Arbeit, zumal die preisgekrönte Architektur der Raphaelkirche mit ihren Sichtbetonwänden immer einen für Pforzheim ganz außergewöhnlichen Rahmen darstellt“, sagt Kröner. Die sparsame Platzierung der 40 Zeichnungen und Malereien ohne Rahmung direkt auf den Wänden erzeugt eine Art Werkstattcharakter, einen Eindruck unverstellter Zugänglichkeit und Frische.

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Monika Ziemers Malerei-Ausstellung in der Raphaelkirche

„Kontrapunkt“ – Mehrstimmigkeit und Polarität – lautet der Titel der Ausstellung. Er scheint sowohl in den nebeneinander herlaufenden und sich mitunter berührenden Melodielinien von Malerei und Zeichnung auf, als auch im Zusammenspiel von Hängung und Architektur. Aus Kröners kuratorischer Sicht hat der Kontrapunkt aber auch die biografische Nebenbedeutung, dass man an Monika Ziemers reger Ausstellungstätigkeit der vergangenen Jahre deutlich sehen könne, wohin sich nach dem Ende ihrer fast 40-jährigen, so geliebten Lehrtätigkeit die Gewichte jetzt verschoben haben. „Durch Harald Kröner und seine Auswahl und Hängung erlebe ich einen neuen Blick auf meine Arbeiten“, sagt auch Ziemer.

Die Ausstellungseröffnung ist am Sonntag um 11.45 Uhr in der Raphaelkirche, Turnstraße 5, in Pforzheim. Harald Kröner führt in die Schau ein. Sie ist bis 27. Oktober dienstags von 15 bis 16.30 Uhr und donnerstags von 12 bis 13 Uhr geöffnet – oder nach Vereinbarung unter Telefon (0 70 44) 4 81 17.

Michael Müller

Michael Müller

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