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Auf der Bühne wird munter gesungen, gehüpft und musiziert.  Foto: Frommer 

Mords-Gaudi um Tod und Wiedergeburt: Gardi Hutter gastiert in Kulturhalle Remchingen

Remchingen. Gardi Hutter ist der sympathischste Kulturexport der Schweiz. Seit mehr als 40 Jahren – in der Rolle ihrer „tapferen Hanna“, als Souffleuse oder als Schneiderin; bislang immer in Solo-Stücken. Die kleine rundliche Frau mit der rotbraunen Clownsnase ist längst eine unsterbliche Bühnenfigur, die verdientermaßen internationalen Kultstatus genießt: von Brasilien bis China, von Russland bis Schweden.

In der gut besuchten Kulturhalle Remchingen trat Gardi Hutter (68) am Dienstagabend mit ihrem Stück „Gaia Gaudi“ vors gespannte Publikum, gemeinsam mit ihren Kindern, der Sängerin Nea Cainero und dem Perkussionisten Juri Cainero sowie mit ihrer Schwiegertochter, der Tänzerin Beatriz Navarro aus Mexiko. Das klingt ein bisschen nach Generationenwechsel. Und tatsächlich geht es in dem Stück, wie meist bei Gardi Hutter, um Tod und Geburt sowie um die Momente, in denen das eigene Leben wie im Zeitraffer an einem vorbei braust.

„Gaia Gaudi“ birgt derart viele Anspielungen auf die zurückliegenden Produktionen Hutters, dass die brabbelnde „Clownerin“ zu Beginn der zweiten Hälfte gleichzeitig in vier Hanna-Gestalten auf der Bühne Schabernack treibt. Die Kinder werden für einen rasanten Kurzdurchlauf die Klone der Clownfrau aus St. Gallen: Sie zwängen sich in Waschzuber, hängen Socken auf die Leine, zeigen Hutters berühmte Scherenschnitt-Kindergirlande, fechten und zanken, singen, jodeln, hüpfen und musizieren generationen- und kulturübergreifend – samt Kopfstimme, Handtrommeln, Rasseln und Tröten. Die freche junge Generation rückt nach und drängt selbst ins Rampenlicht.

Männliche Clowns wurden und werden durch ihre Schulen unsterblich, bestes Schweizer Beispiel: Teatro Dimitri im Tessin. Clownfrau und „Mamma“ Gardi Hutter präsentiert in Gaia Gaudi ihre Sprösslinge – und konsultiert zu Tod und Wiedergeburt die überaus pralle Venus von Willendorf, mit der sie zu Funk-Musik tanzt. Zurück aus der Steinzeit und ganz im Hier und Jetzt gerät ihr Ausflug ins Publikum: Ein übergeworfener Schutzanzug und ein eilig auf den Strubbelkopf gezwängter Motorradhelm machen die Umarmungen 2G-gängig.