nach oben
Kein Blatt vor den Mund nehmen Ande Werner (links) und Lars Niedereichholz.  Roller
Kein Blatt vor den Mund nehmen Ande Werner (links) und Lars Niedereichholz. Roller
13.11.2017

„Mundstuhl“ bringen das Publikum im Kulturhaus Osterfeld zum Lachen

Wenn ostdeutsche Plattenbau-Mütter über ihren nächsten Urlaub diskutieren und Frutarier anfangen zu singen, dann sind Ande Werner und Lars Niedereichholz dafür verantwortlich.

Die beiden Komiker nennen sich „Mundstuhl“ und hauen am Samstagabend im Kulturhaus Osterfeld in wechselnden Verkleidungen ihre Gags im Sekundentakt raus. Die politische Korrektheit hat erst mal Pause und ein Blatt wird sowieso nicht vor den Mund genommen. Schon gar nicht, wenn die beiden in ihrer Paraderolle als „Dragan“ und „Alder“ über Handys, gefährliche Kampfhunde, schnelle Autos mit hohem Spritverbrauch und über die 30 Jahre diskutieren, die Alder schon auf der Berufsschule verbringt. An letzterem ist aber nur der Lehrer schuld, weil der zu „schitereng“ ist und droht, beim nächsten Test fünfzig Prozent durchfallen zu lassen: „Aber wir sind doch gar nicht so viele.“

Niemand ist sicher

Mit ganz anderen Problemen haben Peggy und Sandy zu kämpfen, zwei ostdeutsche Mütter aus dem Plattenbau, die von Werner und Niedereichholz mit Perücken auf dem Kopf und bunten Kleidern verkörpert werden. Den sächsischen Dialekt gibt es gratis dazu. Die beiden unterhalten sich über ihren nächsten Urlaub, über die körperlichen Attribute von schwarzen Liebhabern und streiten darüber, ob Kevin-Geronimo nun einen „Pölö“ oder einen „Gölf“ fährt. Vor Werner und Niedereichholz ist wirklich nichts und niemand sicher. Nicht diverse Superhelden, die im Eifer des Gefechts mit allen möglichen Beleidigungen belegt werden. Und erst recht nicht die Frutarier, die warten, bis die Früchte vom Baum fallen. Dann gibt es auch mal Schlägereien. „Wir haben ja alle Hunger wie Sau.“ Und warum das Ganze? Weil es die Tiere ohnehin schon schwer genug haben. Zum Beispiel Kühe: Die haben nämlich keinen Schließmuskel. „Wenn das Poloch einer Kuh unter Wasser kommt, dann läuft sie von hinten voll mit Wasser.“ So geht das den ganzen Abend. Werner und Niedereichholz schlüpfen von einer Rolle in die nächste, diskutieren minutenlang über Belanglosigkeiten, regen sich scheinbar grundlos auf und sind sich für nichts zu schade. Da wird schon mal die Hose auf Halbmast gezogen und ein Stück des Hinterteils entblößt, um zu zeigen, wie unangenehm das ist, wenn bei jedem Bücken die Buchse ein paar Millimeter weiter nach unten rutscht.

Mit gepflegtem Kabarett und hintersinnigem Humor hat das wahrlich nicht viel zu tun. Sinn ergibt es auch nicht immer. Aber es ist lustig. Und darauf kommt es am Ende an. Das scheint auch das Publikum so zu sehen und klatscht die beiden zweimal zurück auf die Bühne. Schade, dass die zweite Zugabe zur Werbe- veranstaltung wird.