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Rotzfrech wie eh und je: Ande Werner (links) und Lars Niedereichholz sind seit 25 Jahren als Mundstuhl unterwegs.  Frommer
Rotzfrech wie eh und je: Ande Werner (links) und Lars Niedereichholz sind seit 25 Jahren als Mundstuhl unterwegs. Frommer
22.02.2016

Mundstuhl mit Jubiläumsprogramm „Mütze-Glatze! Simply the Pest“ im Osterfeld

Pforzheim. Eigentlich ist beim Auftritt von Mundstuhl alles wie immer: Das Kulturhaus Osterfeld ist restlos ausverkauft, die „political correctness“ hat Feierabend und vor den verbalen Breitseiten des Frankfurter Comedy-Duos – Ande Werner (47) und Lars Niedereichholz (48) – ist nichts und niemand sicher.

Ihr „Jubiläums-Programm“ haben die beiden Hessen unverdrossen mit einer „50“ samt Lorbeerkranz dekoriert. „Wie geht das denn?“, kommt Lars Niedereichholz möglichen Fragen aus dem Publikum zuvor: „Wir haben 1991 Mundstuhl gegründet und jeder von uns macht das jetzt seit 25 Jahren“. Ähnlich großzügig legen die beiden Humoristen den Rahmen für die rüden Tiraden ihrer Figuren aus.

Über Fressattacken und Maffay

Da lamentiert der ständig ausrastende Andi über die Fress-Eskapaden seiner verfetteten Freundin und das längst Kult gewordene Kanak-Sprak-Duo „Dragan und Alder“ diskutiert das Tuning von tiefergelegten Kleinwagen, die Qualitäten von Kampfhunden und Handys oder sie diffamiert eben mal Peter Maffay als „rumänische Wanderwarze“.

Die einfältigen Plattenbau-Jungmütter Peggy und Sandy lässt Mundstuhl genüsslich die körperlichen Vorteile schwarzer Liebhaber abhandeln und die frömmelnden Langweiler Torben und Malte mit dem umständlich in zwei Hälften geteilten Saalpublikum „Seid nett zu dunkelhäutigen Menschen“ zur Gitarre singen.

Wenig Neues? Ja und nein. Es ist es ja nicht so, als lebe Mundstuhl auf einer Insel und Ande Werner und Lars Niedereichholz bekämen nicht mit, was neben ihrer Tournee in der Republik so passiert. Allerdings sind die beiden Spaß-Rabauken zu clever oder viel zu lange im Geschäft, um sich direkt zu den tagesaktuellen Knackpunkten der Gesellschaft zu äußern.

Das geschieht subtiler, mit Einschüben wie „da würden sich viele Leute in Köln drüber freuen“, versteckt in einem Sketch über Kühe, die keinen Schließmuskel hätten und deshalb „beim Baden langsam von hinten volllaufen“. Die in der Domstadt von der Bürgermeisterin ins Gespräch gebrachte „Armlänge“ wird dabei mit einer Geste in Erinnerung gerufen.

Fanartikel zu erarbeiten

Grobschlächtiger gerät das als Zugabe getarnte Merchandising diverser Fan-Artikel. Das T-Shirt „Mundstuhl Groupie“ könne man für 20 Euro kaufen, grinst Lars Niedereichholz breit und rotzfrech ins Publikum: „Oder erarbeiten“. Wie? Daran lässt er nicht den Hauch eines Zweifels. Internet: www.mundstuhl.de