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Authentisch und eindringlich: Alexander Kerbst (Falco) und Mitglieder des Ballett-Ensembles am Theater Pforzheim. Foto: Haymann
02.10.2017

Musical-Ballett „Falco – The spirit never dies“ feiert Premiere

Pforzheim. Drogen, Alkohol, Sex und Ruhm – Falco führte ein Leben im Exzess. Über Nacht wurde der österreichische Sänger zum Star, genoss den Applaus – und litt unter der großen Einsamkeit danach. „Was mich fertig macht seit 20 Jahren ist, dass unser Geschäft Schall und Rauch ist“, hat er einmal gesagt. Er bewege sich wie auf einem Drahtseil, immer zwischen Erfolg und Absturz.

Das Musical-Ballett „Falco – The spirit never dies“ von Amy Share-Kissiov und Frank Nimsgern, das eindrucksvolle Premiere im Theater Pforzheim feierte, spürt dem Genie der 1980er-Jahre nach – mit einem Live-Band-Sound, Gesang und Tanzszenario, das nicht nur der Musik des Kultjahrzehnts nahekommt, sondern auch dem Menschen Hans Hölzel – so der bürgerliche Name von Falco – in seiner Zerrissenheit und Suche nach dem Glück. Dies gelingt der australischen Choreografin Amy Share-Kissiov vor allem durch die Spaltung der Hauptfigur in Falco, gesungen von Alexander Kerbst, und Hans, getanzt von Johannes Blattner. Auf der einen Seite der Coole mit der Sonnenbrille, arrogant, provozierend, ein Exzentriker. Auf der anderen Seite die verletzbare, von Selbstzweifeln geprägte Persönlichkeit. Beides stellen die Akteure authentisch und eindringlich dar: Kerbst, der zu den gefragtesten Falco-Doubles gehört und in der Goldstadt schon in selbiger Rolle bei der „Nacht der Musicals“ im CCP glänzte, gibt in Erscheinungsbild, Akzent und tiefer Stimme einen charismatischen Falco mit nur wenigen, aber gehaltvollen Gesten. Markant ist sein Rap-Gesang, kraftvoll sein Aufschreien im Refrain, so etwa bei der Ballade „Jeanny“, die Gänsehaut erzeugt, oder bei Krachern wie „Egoist“ oder „Der Kommissar“. Allerdings kommen die richtig mitreißenden Nummern erst im zweiten Teil, wo die Choreografien deutlich impulsiver, aggressiver ausfallen, sich die Tänzer vom Ballettensemble bei „Titanic“ etwa die Klamotten vom Leib reißen.

Smarte Eleganz

Ausdrucksstark ist vor allem Blattner als Hans, der Verwandlung und Zusammenbruch des Künstlers mit smarter Eleganz und äußerster Körperhingabe zeigt – zuckend, zitternd, herumirrend. Das Stück orientiert sich nachvollziehbar an wichtigen Lebensstationen von Falco als Kind (Simon Kienzle) mit Mutter (Evi van Wieren), als Hippie und Bassist in einer Band und als Star auf Welttournee. Umrahmt wird die Geschichte von dem angedeuteten Autounfall, bei dem Falco 1998 ums Leben kam. Kurz darauf erscheint dieser im Himmel – in einem hängenden Container passend zum Image. „Out Of The Dark“ ist zu hören, Falcos letzter Song vorm Tod mit der vorausah-nenden Zeile „Muss ich denn sterben, um zu leben“.

Auf einer Bühne, die zwischen Wiener Operntheater, stufenartiger Showbühne und schrägfallender Rampe wechselt (Olga von Wahl), wird der Weg und Absturz des Künstlers zusätzlich sichtbar. Besonders nachdenklich wirken die stillen Momente von Hans vorm Vorhang. Die Einschübe bei der Rocknummer „Rock Me Amadeus“ indes lähmen etwas den Fluss: So schweben immer wieder Blattner und Alba Valenciano Lopez als Jeanny durchs Bild, bremsen quasi den Hit kurz aus. Jeanny ist eine der fiktiven Figuren, die eingebaut wurden und verkörpert Falcos Sehnsucht nach dem Reinen, Lieblichen. Der grazilen Tänzerin gelingt dies ausgesprochen gut, überzeugt gerade in den von zarten Berührungen geprägten Duetten mit Blattner.

Ein agiles Kraftpaket ist dagegen Adrien Ursulet als Jack, der Verführer, ebenso elegant Isaac di Natale als Manager. Einen kurzen, aber intensiven Auftritt hat Yvonne Compana Martos als teuflische Jeanny 2.

Musikalisch changiert der Abend zwischen Rock, Rap, Funk und Techno. Einfach klasse ist die Live-Band um Komponist und Arrangeur Frank Nimsgern (Gitarre), Annika Strobel (Bass) und Stephan Schuchardt (Percussion), die auf den seitlichen Emporen spielt.

Das Premierenpublikum feiert das Ensemble mit minutenlangen, stehenden Ovationen.

Weitere Vorstellungen am 3., 11., 14., 19., 22. und 27. Oktober im Großen Haus des Theaters.