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Der italienische Organist Gabriele Marinoni erzeugt verschwommene Klänge auf der Stadtkirchen-Orgel.  Molnar
Der italienische Organist Gabriele Marinoni erzeugt verschwommene Klänge auf der Stadtkirchen-Orgel. Molnar
30.11.2015

Musik statt Alltag – Organist Gabriele Marinoni bei der ersten „Atempause im Advent“

Pforzheim. Leichtfüßig und hell tanzt die Orgel an diesem frühen Abend in der evangelischen Stadtkirche Pforzheim. Ein paar Besucher kommen noch herein, die Lichter gehen aus.

Organist Gabriele Marinoni spielt weiter, beginnt nun mit dem ruhigen Teil des Allegro cantabile aus der fünften Orgelsinfonie von Charles-Marie Widor. Lang betonte Triller folgen, und Zäsuren, die die Musik buchstäblich ins Stocken bringen – wie bei einem Eilenden, der Luft holt und allmählich zur Ruhe kommt.

Musik und Texte

Der Einstieg für die erste „Atempause im Advent“ ist dem jungen italienischen Organisten gut gelungen. Jeweils freitags um 18 Uhr lädt die Stadtkirche zu einer 40-minütigen Unterbrechung des Alltags in der Vorweihnachtszeit ein – mit Musik, Texten und Gedanken. Marinoni präsentierte die drei Mittelsätze der fünften Orgelsinfonie des Franzosen Widor. Kraftvoller als der zweite erklingt der dritte Satz (Andantino quasi allegretto), neblig-zart der vierte Satz (Adagio). Dass die Orgel derzeit in einem desolaten Zustand ist, ist zwar kaum zu überhören. Marinoni bewirkt mit einem verstimmten Register jedoch denselben Effekt, erzeugt verschwommene Klänge auf sanfte Weise. Zwischen den Sätzen liest Pfarrer Hans Gölz-Eisinger eine Auslegung des Adventsliedes „Nun komm, der Heiden Heiland“, das auf einem altkirchlichen Hymnus des Ambrosius basiert.

Beendet wird die „Atempause“ mit der umfassenden Orgelsonate Nr. 12 Des-Dur von Josef Gabriel Rheinberger. Für den machtvollen Kopfsatz wählte Marinoni reichlich Zungenregister, Trompeten und die Posaune im Pedal, für den langsam-dezenten Mittelsatz die liebliche Oboe. Eine inspirierende Ruhequelle zwischen Berufsalltag und Weihnachtseinkäufen.