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Musik- und Feuer-Spektakel zur Eröffnung der Sommersprossen © Seibel
27.07.2012

Musik- und Feuer-Spektakel zur Eröffnung der Sommersprossen

Was für eine spektakuläre Festival-Eröffnung! Gut 4000 staunende Zuschauer erlebten im Pforzheimer Benckiserpark die „Hochofensinfonie“ – eine riesige, fulminante Show, die Feuerkessel, Moniereisen, ein donnerndes Belchsegel, abgesägte Gasflaschen, Feuerlöscher und Schmelzöfen zum konzertanten Klang vereinte.

Bildergalerie: "Hochofensinfonie" eröffnet Theaterfestival in Pforzheim

Alles beginnt ganz langsam, fast in Zeitlupentempo. Fackeln werden entzündet. Tröpfchenweise, einzeln und ohne erkennbare Eile kommen Musiker auf die Bühne, die bei der „Hochofensinfonie“ den Orchestergraben, die drei Öfen und sehr hoch aufragende, sich konisch verjüngende Schlote aufnimmt. Eine dunkelhaarige, ältere Frau mit Brille und Schönheitsfleck schleppt im Paisley-Gouvernanten Kleid einen Akkordeonkoffer herbei. Ein (vermeintlicher) „Gitarrist“ mit Elvis-Tolle stapft quer über die Bühne und bezieht auf einem der drei Hochstände Position. Eine (scheinbare) „Violinistin“ schafft es trotz ihres langen Abendkleids auf den mittleren Hochstand; ein schlanker Glatzkopf in Frack hilft ihr dabei. Ein zu spät eintreffender junger Perkussionist wühlt sich laut und dynamisch mitten durchs Publikum. Aus entgegengesetzter Richtung trifft der Dirigent auf seinem Pult ein – als „Mozart“ in rotem Samt und mit weiß zerzauster Rokoko-Perücke!

Auf sein Zeichen legt das siebenköpfige Ensemble los: Zunächst hauchzart – die „Violinistin“ entpuppt sich als Sängerin und stimmt langgezogene hohe Vokalisen an – dann setzen die anderen Musiker ein: Die Gouvernante spielt Triangel, ein Dicker drischt auf ein Pauke, der Frackträger entlockt mit einem Schweißgerät Moniereisen archaische Töne. Funken stieben. Die Öfen sind entfacht und speien im Takt Feuer. Selbst der Dirigent legt sich mächtig ins Zeug, fuchtelt wie besessen. Zu einem riesigen Glockenspiel aufgehängte Eisenstangen „bearbeitet“ der Perkussionist vehement mit einem Schlosserhammer. Im Publikum stehen manche Münder offen. Eine titanische Kalimba wird ins Spiel gebracht und setzt neue Akzente. Mit blauer Flamme wird eine Gasorgel zum Klingen gebracht. Raketen schießen im Takt der Komposition in den nachtschwarzen Himmel.

Das Erstaunliche dabei? Das Ganze entpuppt sich als konsequent arrangiertes Gesamtkunstwerk, Zufälle gibt es bei der „Hochofensinfonie“ nicht – auch wenn die Musiker diese hin und wieder auf ihren Hochständen „schauspielernd“ inszenieren: Live-Musik, Funkenflug, Gesang, Licht, Nebel, Flammen, Soli und wohldosierte Pyrotechnik – alles ist perfekt koordiniert und erzeugt Bilder, die lange nicht mehr aus den Köpfen gehen werden. Entsprechend „feurige“ Begeisterung schlägt den Musikern des „Theater Titanick“ entgegen: In Pforzheim sind das am Eröffnungsabend Dirigent und Komponist Gundolf Nandico, Titanick-Mitbegründerin Clair Howells, Sängerin Marie Nandico und die Schauspieler/ Musiker, Thomas Kuhnert, Matthias Stein, Georg Lennarz und Michael Hain.