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An der Wendelinskapelle in Neuhausen wird Sarah Baltes die Mitwanderer das erste Mal zur Ruhe kommen lassen: Hier findet das erste Konzert statt. Foto:  Ketterl
An der Wendelinskapelle in Neuhausen wird Sarah Baltes die Mitwanderer das erste Mal zur Ruhe kommen lassen: Hier findet das erste Konzert statt. Foto: Ketterl
22.07.2016

Musikalische Wanderung im Biet

Neuhausen: Es hat schon einen Grund, dass die Menschen pilgern, wenn sie nachdenken und zur Ruhe kommen wollen. Ist die Stadt einmal verlassen, wiegt der Rucksack schwer am Rücken, dann scheinen die Gedanken klarer zu sein. So ging es auch der Kulturmanagerin Sarah Baltes. Vor einem Jahr war sie in den Alpen unterwegs, von Nord nach Süd, von Oberstdorf nach Meran. Im Lechtal macht die Gruppe eine Rast; Baltes sucht mit den Gefährten eine Kapelle auf. Auf einmal steht die Idee im Raum: Wie wäre es jetzt mit Musik? „Und dann haben wir einfach angefangen zu singen.“ Erst alle zusammen, dann sie allein für die Gruppe. „Das war ein Moment voller Emotionalität“, sagt Baltes. „Dadurch ist die Gruppe irgendwie auf eine besondere Art zusammengewachsen.“

Inspiration in den Alpen

Schnell steht fest: Baltes will diesen Moment nutzen. Sie sucht die Wiederholung und entwickelt das Projekt „Via Musica“. Da beschreibt schon der Name, was das sein soll: eine Verbindung von Wandern – Via ist lateinisch für Weg – mit Musik. Das Projekt passt zeitlich. Denn im Herbst hat Baltes bei den Maulbronner Klosterkonzerten aufgehört, dort hat sie für zwei Jahre als Geschäftsführerin gewirkt. Mit „Via Musica“ will sie Orte in den Vordergrund rücken, die sonst nicht im Fokus stehen. Nun ist sie erstmals auch in der Region unterwegs.

Am Samstag, 30. Juli, geht es dann durch das Biet. Die Kernpunkte der Strecke sind Kapellen, besondere Orte – wie in den Alpen. Dass Baltes Kirchen aufsucht, hat aber auch einen ganz praktischen Sinn. „Die haben meist eine gute Akustik und bieten notfalls Schutz vor dem Regen.“ Denn dass man einmal durch einen Schauer läuft, das passiert beim Wandern ständig. „Aber in den Pausen will ich das den Wanderern nicht zumuten.“ Und vor allem den Musikern nicht. Denn jede Wanderung wird musikalisch von Konzerten flankiert. Bei der aktuellen stehen historische Blasinstrumenten im Vordergrund.

Der Flötist und Oboist Johannes Kurz aus Mahlberg (Ortenaukreis) hat sich dafür etwas ganz Besonderes einfallen lassen. „Ich habe ihm die Entstehungszeit der drei Kapellen genannt, an denen wir haltmachen“, sagt Baltes. „Er wird sein Programm auf diese Jahre einstimmen und historisch Passendes spielen.“ Neben den drei Konzertorten – der Wendelinskapelle in Neuhausen und der Wald- sowie der Burgkapelle in Steinegg – gibt es auf der rund achtstündigen Wanderung auch immer Zeit für eine Einkehr. „Zwischen dem zweiten und dritten Konzert machen wir eine Kuchenpause im Mehrgenerationen-Café Steinegg“, schildert Baltes.

Wie findet sie ihre Touren? Am Anfang steht die Internetrecherche, Baltes sucht interessante Wege, passende Konzertorte. Dann geht es raus. Sie wandert die Strecke selbst – und erlebt so manche Überraschung. „Ich prüfe, ob die Wege auch wirklich gut gangbar sind. Manchmal endet nämlich einer abrupt.“ Dann sucht sie nach Alternativen – und freut sich, wenn sie alles unter einen Hut gebracht hat. Vielleicht ist am Ende sogar Zeit für ein bisschen Nachdenken und auch Ruhe.