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Einfühlsam: Ursula Schoch.  Henkel
Einfühlsam: Ursula Schoch. Henkel
07.12.2015

Musikalischer Hochgenuss: Ursula Schoch interpretiert das Brahms-Violinkonzert

Mühlacker. „Lieben Sie Brahms?“ Wenn er so interpretiert wird wie sein Violinkonzert in D-Dur (op.77) von der Geigerin Ursula Schoch und der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter Peter Wallingers Leitung, dann muss man ihn lieben.

So wurde das in romantische Sehnsucht gehüllte Konzert zum Auftakt der Mühlacker-Concerto-Reihe selbst im ziemlich nüchternen Uhlandbau-Saal mit Klangfarbenfülle, Ausdruck und Emotion zu einem Fest. Im einleitenden „Allegro“ bauten anfangs verhaltene, später mächtige Orchester-Tutti die Spannung auf. Endlich trat die Solo-Geige herein und entfaltete mit feinem Diskant ihr Thema, bezauberte im eng verwobenen Dialog mit dem Orchester in Akkord-Brechungen, virtuosen Doppelgriff-passagen und soghaft mitreißenden Steigerungen, die zum Abschluss des ausgedehnten Satzes in eine kunstvoll ausgestaltete Kadenz einmündeten. Da hielten nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Musiker den Atem an.

Es folgten das breit ausgezogene „Adagio“, dessen klangseligen Violingesang die Solistin mit strahlend reinen, samtig weichen Linien ausstattete. Und der rhythmisch rasant musizierte Finalsatz mit brillanten Solo-Abschnitten.

Freilich bewegte sich Ursula Schoch, Konzertmeisterin des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters, auf vertrautem Terrain. Sie hat Brahms’ Violinkonzert schon mehrfach auch auf CD eingespielt. Zudem hat Wallinger, ihr einstiger Musiklehrer am Bietigheimer Ellental-Gymnasium, Schochs Karriere begleitet. Kein Wunder, dass ihr mit makelloser Technik und hoher Spielkultur absolvierter, von Virtuosengehabe sympathisch freier Auftritt abgeklärt und vollendet wirkte.

Im ersten Programmteil des unter das Motto „Zauber der Romantik“ gestellten Konzerts präsentierte das Ensemble frisch und temperamentvoll die bekanntesten Sätze aus Mendelssohn Bartholdys Musik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ und sehr einfühlsam den dunkel eingefärbten „Valse triste“ aus op.44 von Jean Sibelius. Es war ein großer Abend. Eckehard Uhlig