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Walter Henning
Walter Henning
12.11.2015

Musiker des Wiederaufbaus: Gedenkkonzert zum 50. Todestag von Walter Henning

Pforzheim. Er hat die Pforzheimer Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts geprägt wie nur wenige andere: Walter Henning. Über dreißig Jahre – von 1932 bis 1965 – war er als Kirchenmusikdirektor an der Stadtkirche zuständig für ein blühendes Musikleben.

. Geboren 1903 in Zöblitz im Erzgebirge, erhielt er seine Ausbildung an der Thomasschule in Leipzig, wo er Mitglied der Thomaner war. Es folgte ein Kirchenmusikstudium am Institut in Leipzig.

1932 trat der neue Kantor aus Sachsen seinen Dienst an der Stadtkirche an. Neben seiner Arbeit als Organist und Chorleiter an der Stadtkirche leitete er weitere Chöre, komponierte, gab Klavier- und Orgelunterricht und trat auch als Liedbegleiter auf.

1936 heiratete er Liselotte Grünert, drei Jahre später meldete er sich freiwillig zum Militär. Zunächst in Südfrankreich stationiert, nahm er ab September 1941 am Russland-Feldzug teil. Im Juni 1944 geriet er in russische Gefangenschaft, aus der er im November 1945 entlassen wurde.

Der Neuanfang in Pforzheim gestaltete sich schwierig. Alle Kirchen waren zerstört, viele frühere Chormitglieder tot, vermisst oder in Gefangenschaft. An der Auferstehungskirche, die 1948 als erste Kirche neu erstand, wurde Hennig Kantor; auch die Leitung des Oratorienchors übernahm er wieder. 1949 gründete er die evangelische Gemeindesingschule, in der er zeitweise bis zu 150 Kinder unterrichtete. Später ging daraus die Jugendkantorei hervor.

Seine Chorsätze, Kantaten, Orgelvorspiele fanden bald über Pforzheim hinaus Verbreitung. In den 1950er-Jahren und der ersten Hälfte der 1960er-Jahre prägte Hennig gleichermaßen durch seine großen Oratorienaufführungen mit dem Oratorienchor wie auch durch seine Kantatenkonzerte mit Motettenchor und Jugendkantorei das kulturelle Leben Pforzheims. Gleichwohl war das Zentrum seiner Arbeit der sonntägliche Gottesdienst.

Als Bezirkskantor und Obmann der Badischen Kirchenmusiker setzte sich Walter zudem engagiert für das Zustandekommen eines Kirchenmusikergesetzes ein, das Fragen der Ausbildung und Besoldung von Kirchenmusikern regeln sollte. Walter Hennig war ein gebildeter, den Künsten und der Literatur aufgeschlossener Mann, der auch seines Humors wegen geschätzt wurde.

Am 4. September 1965 starb Walter Hennig an den Folgen eines Tumors.