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Konzert in Wohnzimmer-Atmosphäre mit Biboul Darouiche. Foto: Bechtle
Konzert in Wohnzimmer-Atmosphäre mit Biboul Darouiche. Foto: Bechtle
14.02.2018

Musiker und Songschreiber Biboul Darouiche bringt Kulturschatz Afrikas näher

Pforzheim. Am Anfang steht der Rhythmus, programmiert in Endlosschleife. „Das erste, was wir in Afrika lernen, ist singen und klatschen“, sagt Biboul Darouiche bei seinem Konzert am Sonntagabend im „Elaborat“, dem neuen kreativen Zwischennutzungsprojekt gegenüber dem Hauptbahnhof. Dann spielt er den Bass ein und legt ihn, wie eine Ein-Mann-Band, über die Polyrhythmik. Und die ist mit ihren vertrackten Sechs- oder Neun-Achtel-Takten für hiesige Hörer ungewohnt.

Sobald das Fundament in immer wiederkehrenden Loops steht, startet der eigentliche Song. Der in München lebende Musiker begleitet sich mal mit der Gitarre, die er – von Haus aus Perkussionist – auch als Schlaginstrument einsetzt und mit seinen Fingern zärtlich beklopft, mal mit einem elektronischen Daumenklavier, der Kalimba. Er singt dazu in der Sprache der zentralafrikanischen Bantu. Es sind Songs von melancholischer und lebensbejahender, fröhlicher Stimmung. Mit repetitiven Beats zum Sich-Fallen-Lassen. Man denkt an einen Strand, im Hintergrund rauscht das Meer. Das junge Publikum, Pforzheimer Szene-Nasen und Studenten, sitzt im Kreis und entspannt sich. Wiegt sich im Takt, nickt mit dem Kopf, schließt die Augen. Und klatscht sanft mit.

Der Musiker ist der Einladung seiner Tochter Kiala Kanzi gefolgt, die im „Elaborat“ eine Ausstellung zeigt und in Pforzheim studiert. Darouiche ist einer, der in der Jazz-Szene großes Ansehen genießt. Seit 1995 spielt er bei Klaus Doldingers Passport. Und die Liste derer, mit denen er als Studio-Perkussionist einst Alben eingespielt hat, ist beeindruckend: Al Di Meola, Pee Wee Ellis, Roy Ayers, Wolfgang Haffner und viele andere. Aber auch Rap-Ikonen wie Kurtis Blow und die Indie-Band The Notwist sind dabei. Als er in Paris wohnte, sei eben viel passiert, wie er im Gespräch erzählt. „Wir haben teils zwei, drei Platten pro Woche aufgenommen.“ Da könne er sich auch nicht mehr an alle erinnern. Zum Jazz sei er erst spät gekommen. „Irgendwann haben sie angefangen, mich anzurufen. Jazz-Musiker sind offen, sie finden die Rhythmen gut.“ Im „Elaborat“ spielt Darouiche hauptsächlich Eigenkompositionen aus seinem neuen Album „Moon Jam“, das er mit einer Band eingespielt hat und im Frühjahr erscheinen soll. Seine Musik ist ein Porträt seiner multikulturellen Geschichte – von der Kindheit in Afrika bis zur Arbeit als international gefragter Musiker.

Geboren 1963 in Kamerun, lebte er dann im Orient, Skandinavien und Zentral-Europa. Rhythmen und Melodien der jahrtausendealten, traditionellen Musik der Bantu fusionieren mit westlicher Jazz- und Popkultur. In seiner Heimat werde sie immer seltener gespielt, gerade von jungen Leuten, sagt er. Aber ihm liegt die Kultur sichtlich am Herzen. Auch wenn er größere Bühnen gewohnt ist, genießt er seinen Auftritt in Pforzheim. „Ich mag die Nähe zum Publikum. Da kann ich besser erzählen, von meiner Musik, von meiner Welt.“