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Gitarrist Günther Hauck (links) lässt sich bei der Musik-City von Verkäufer Markus Seibold beraten. Genau diesen Kontakt schätzen die Kunden auch in Zeiten des Onlinehandels.  Ketterl
Gitarrist Günther Hauck (links) lässt sich bei der Musik-City von Verkäufer Markus Seibold beraten. Genau diesen Kontakt schätzen die Kunden auch in Zeiten des Onlinehandels. Ketterl
Karlheinz Pfeiffer leitet die Pforzheimer Filiale des Musikhauses Schlaile, das sich gegen den Beitritt in die Musikgenossenschaft entschieden hat. Ketterl
Karlheinz Pfeiffer leitet die Pforzheimer Filiale des Musikhauses Schlaile, das sich gegen den Beitritt in die Musikgenossenschaft entschieden hat. Ketterl
31.03.2016

Musikläden schließen sich gegen Onlinehandel zur Genossenschaft zusammen

Wer Musik macht, braucht ein Fachgeschäft. Dort, wo man in Noten stöbern oder Instrumente ausprobieren kann. Gerade wenn es um den teils teuren Kauf geht, sind Kunden für eine Beratung dankbar. Pforzheim hat hier gleich zwei Adressen: Musik-City Steinbrecher und das Musikhaus Schlaile. Beiden Geschäften allerdings macht der Onlinehandel zu schaffen. Ob Saiten für Gitarre oder Geige, Drum-Sticks oder eine kleine Mundharmonika. Immer mehr Kunden bestellen im Internet.

„Der Online-Versand hat leider verheerende Folgen für unsere Branche“, sagt Arthur Knopp, Präsident des Gesamtverbands Deutscher Musikfachhandel. In den letzten fünf Jahren haben in Deutschland fast 500 Musikfachgeschäfte geschlossen. Es sind noch etwa 1900 Läden geblieben.

Zehn Musikläden sind dabei

Beim Verband will man aber, dass die kleinen Musikgeschäfte erhalten bleiben. Deshalb hat Knopp die Gründung einer Genossenschaft initiiert. Sie ist am 22. März unter dem Namen Music Experts Group in Frankfurt am Main gegründet worden. Zehn Musikläden aus ganz Deutschland machen mit – darunter auch die Musik-City aus Pforzheim. Geschäftsführer Frank Steinbrecher ist von der Genossenschaftsidee überzeugt: „Wir sind alle Einzelkämpfer. Größere Kreise an Neukunden können wir nur gewinnen, wenn wir gemeinschaftliche Werbeaktivitäten machen.“

Doch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht steckt hinter der Genossenschaft auch ein rein rechnerisches Kalkül. Im Verbund können die kleineren Musikläden beim Wareneinkauf niedrigere Preise erzielen. Wird eine höhere Stückzahl geordert, gibt es Rabatte. Die Online-Riesen bekommen diese Nachlässe, weil sie eben auch in großen Mengen einkaufen. In einer Genossenschaft könnten die kleineren Musikläden jetzt zumindest mit dieser Niedrigpreispolitik mithalten – ein klarer Vorteil auch für Steinbrecher. Er selbst hat das 1969 gegründete Pforzheimer Musikfachgeschäft von seinem Vater übernommen. Ergänzt durch Angebote wie Musikunterricht oder auch durch Konzert-Ticket-Verkauf, folgt Steinbrecher bis heute dem Anspruch, ein Vollsortimenter zu sein: Alle Warensparten sollen vertreten sein. Das klappt natürlich in Wirklichkeit nicht immer. Aber: Der Anspruch bleibt bestehen. So auch beim Musikhaus Schlaile, das seit seiner Gründung 1905 bereits Wandlungsfähigkeit bewiesen hat. Hier fing alles mit Edison-Sprechapparaten an. Heute sind die Tasteninstrumente der Verkaufsschwerpunkt. Aber es gab auch Jahre, da trug die CD-Abteilung, über deren schlechte Absatzzahlen heute jeder jammert, die Klavierabteilung.

„Wir werden bei der Genossenschaft nicht mitmachen“, sagt Prokurist Peter Schlaile, sein Vater und sein Onkel sind derzeit die beiden Geschäftsführer. Das Musikhaus hat – neben der Zentrale in Karlsruhe – in der Region von Landau über Pforzheim bis nach Offenburg insgesamt sechs Filialen. „Aufgrund unserer Größe haben wir eine Einkaufsbasis, bei der es für uns nicht viel Sinn macht“, so Schlaile. In der Vergangenheit hatte es das Musikhaus selbst mit einem Einkaufsverbund ausprobiert, aber gerade mit der Planung schlechte Erfahrung gemacht.

Individuelle Instrumente

Der Verkauf von Musikinstrumenten sei hoch individuell, so Schlailes Einschätzung. Kunden kämen etwa auf der Suche nach einem ganz bestimmten Gitarrentyp, weil beispielsweise ihr Lehrer im Unterricht genau diesen empfohlen hat. Dass sich solche Ware im eingekauften Sortiment der Genossenschaft wiederfindet, hält Peter Schlaile für unwahrscheinlich. Beim Einkauf will er auf Eigenständigkeit setzen. „Für uns ist es vermutlich die richtige Entscheidung, bei der Genossenschaft nicht mitzumachen. Trotzdem wünschen wir den Kollegen da das Beste.“