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Von 1990 bis 1994 war Rolf Heiermann Spielleiter am Theater Pforzheim. Nun hat ihn Intendant Thomas Münstermann wieder an die Bühne geholt.
Von 1990 bis 1994 war Rolf Heiermann Spielleiter am Theater Pforzheim. Nun hat ihn Intendant Thomas Münstermann wieder an die Bühne geholt.
Das Bühnenbild für „Der Junge in der Tür“ hat Robert Pflanz geschaffen.  tp
Das Bühnenbild für „Der Junge in der Tür“ hat Robert Pflanz geschaffen. tp
02.02.2017

Nach 23 Jahren zurück: Rolf Heiermann inszeniert wieder am Theater Pforzheim

Pforzheim überrascht ihn immer wieder – auch nach fast 30 Jahren. Denn so lange ist Regisseur Rolf Heiermann dem Stadttheater verbunden: eine Beziehung auf Abstand.

1988 verpflichtet der damalige Stadttheater-Intendant Manfred Berben den jungen Regieassistenten am Badischen Staatstheater Karlsruhe für eine Inszenierung in Pforzheim: „Die Palästinenserin“ von Joshua Sobol hat am 4. November Premiere. Zu Beginn der Spielzeit 1990 dann der feste Vertrag als Spielleiter im damaligen Osterfeld. Und – als völlige Überraschung – das Angebot Berbens, die Eröffnungspremiere im neuen Haus zu inszenieren. „Das war schon gut fürs Selbstbewusstsein“, sagt Heiermann im Rückblick. Und: „Wir haben inmitten der Bauarbeiten nächtelang geprobt.“ „Der Drache“ von Evgenij Schwarz hat am 22. September 1990 Premiere – und ist ein großer Erfolg. Ein Stück, das Heiermann fasziniert in seiner Verbindung von Märchen, Science-fiction und politischem Theater.

Überraschender Anruf

27 Jahre später: Wieder ist es ein Stück, das Tragik und Komik verbindet, das gesellschaftliche Zustände schildert und in eine Parallelwelt entführt, das Heiermann zurück ans Stadttheater bringt. „Der Junge in der Tür“ von Juan Mayorga hat am Samstag im Podium Premiere. „Es war eine große Überraschung, als der Anruf von Thomas Münstermann kam“, sagt der 64-Jährige. Denn: „Es ist nicht allzu häufig, dass sich alte Kollegen an einen erinnern.“ In den 1990er waren sie gemeinsam in Pforzheim – Münstermann von 1990 bis 1993 als Oberspielleiter, Heiermann bis 1994 als Hausregisseur. Nun das Angebot, hier wieder zu inszenieren. „Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden“, schildert Heiermann. Trifft auf alte Bekannte, wie Schauspieler Fredi Noël, und Mitarbeiter in den Werkstätten. Und arbeitet an einem Stück, das ganz auf seiner Linie liegt: Ein Schauspiel, das „eine ganz Welt aus Worten heraus baut“, ein Text, der auf der Bühne zum Leben erwacht, ein Stück, „das mich angeht“.

Denn in dem Kammerspiel-Thriller dringt ein Junge in die Welt einer befreundeten Familie ein, beobachtet, spioniert, manipuliert. „Und dann denkt man plötzlich daran, wie es ist, wenn der CIA in Deinen Computer eindringt“, sagt der Regisseur. Der Text ist ihm wichtig: „Je konzentrierter, umso interessanter.“

Vielleicht hat in das auch dazu gebracht, neben all den Inszenierungen als freier Regisseur in den vergangenen Jahrzehnten selbst Stücke zu schreiben. Etwa „Die Verführung des Casanova“ für das Freilichttheater Schloss Maßbach, wo er seit Jahren regelmäßig gastiert – als Regisseur und mit der Dramatisierung von Stücken.

Den „Casanova“ hat er gemeinsam mit seinem Sohn David geschrieben. Der hat im vergangenen Jahr am Fritz-Erler-Gymnasium Abitur gemacht. Denn in all den Jahren ist Pforzheim der Lebensmittelpunkt von Rolf Heiermann geblieben, auch deshalb, weil seine Frau Andrea als Chefmaskenbildnerin am Theater ebenfalls hier ihre Heimat gefunden hat.