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Alexander Kerbst als Udo Lindenberg mit Adrienn Szegoe als FDJ-Aktivistin im Duett „Bis ans Ende der Welt“ aus dem Berlin-Musical „Hinterm Horizont“.  Molnar
Alexander Kerbst als Udo Lindenberg mit Adrienn Szegoe als FDJ-Aktivistin im Duett „Bis ans Ende der Welt“ aus dem Berlin-Musical „Hinterm Horizont“. Molnar
26.02.2016

„Nacht der Musicals“ im CCP begeistert mit erstklassigen Solisten

Selbst wer den „Time Warp“ nicht kennt, reckt die Hände und schwingt die Hüften. Die Stimmung im CongressCentrum (CCP) ist bestens. Und es hätte noch so weitergehen können – mit der „Nacht der Musicals“, ganz nach dem Motto der letzten Zugabe „The Show Must Go On“. Denn was die sechs Sänger und die acht Tänzer der Broadway Musical Dance Company aus Budapest in ihrer über zweistündigen Show auf die Bühne bringen, ist mitreißend, kraftgeballt und herzbewegend.

Makellose Höhen

Höhepunkte aus bekannten Musicals werden kostümreich präsentiert – in gefühlvollen Soloballaden, Duetten und feurig-flippigen Ensembledarbietungen. So vergeht der Abend wie im Flug: Kaum sind die Gewittergeräusche und dunklen Gestalten vom „Tanz der Vampire“ verschwunden, geistert schon Robert Wagner als „Phantom der Oper“ über die Bühne. An der Seite des ausdrucksvollen, nicht immer ganz verständlichen US-Baritons erreicht Nadja Plattner in der Rolle der Christine makellose Höhen.

Als Operndiva mit ausgezeichnetem Koloratursopran glänzt die österreichische Sängerin vor allem mit der Soloballade „Think Of Me“. Ein schöner Kontrast gelingt ihr dann auch im Duett mit Michael Ewig – bei „Wenn ich tanzen will“ aus „Elisabeth“. Überhaupt bekommt der Abend durch die temperamentvollen, teils akrobatischen Choreografien mit Hebefiguren, Spagat und Salti seinen besonderen Reiz.

So betritt Alexander Kerbst als täuschend echter Udo Lindenberg die Bühne und wird bei „Moskau“ umschwirrt von einem schillernd tanzenden Russenvolk. Die Auszüge aus dem Berlin-Musical „Hinterm Horizont“ gehören zu den Höhepunkten der Show. Und sicher: Niemand wird Kerbst als fantastischen Falco und unverschämten Transvestit aus der „Rocky Horror Show“ vergessen.

„Ihr kleinen Pforzheimer Krawallbacken ihr, ich weiß genau, wo ihr hingeschaut habt“, sagt der charismatische Sänger mit markanter Stimme, bevor er sich von zwei Herren aus der ersten Reihe „am unteren Schulterblatt“ von der Bühne hieven lässt. Über eine durchdringend kraftvolle Rockstimme und blendende Ausstrahlung verfügt Adrienn Szegoe, die mit der „Queen“-Nummer „Somebody To Love“ beeindruckt, aber auch mit „Don’t Cry For Me Argentina“ aus „Evita“. Ebenso ausdrucksstark die Popsängerin Julia Zündorf, die dem „Cats“-Hit „Memory“ viele Nuancen verleiht. Dass das Ensemble singen kann, beweist es nicht zuletzt mit der zarten Interpretation von „The Rose“ in A-cappella. Einziges Manko: die stark verpixelten Videoprojektionen auf den drei Monitoren. Doch im Mittelpunkt stehen ohnehin die Darsteller – und die sind klasse.