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Während Museumsleiterin Saskia Dams in einem Buch blättert, blickt Pressefrau Jacqueline Maltzahn-Redling in ein Kaleidoskop.
Zart geschnörkelt: Anne Carnein hat einen textilen Rosenstock gestaltet.
09.10.2015

Neue Ausstellung „Eiskalt verzaubert“ in Schloss Neuenbürg

So kalt ist es gar nicht – im Eispalast der Schneekönigin. Warmes Infrarotlicht strahlt von der Decke auf sechseckige, verschiedenfarbige Teppichbodenfliesen. Sie haben die Form eines Eiskristalls, symbolisieren zusammengesetzt einen abstrakten See. Ganz bewusst spielt Simone Westerwinter mit Widersprüchen, stellt blaue gegen rote Farben und organische Formen gegen geometrische.

Bildergalerie: Neue Ausstellung „Eiskalt verzaubert“ in Schloss Neuenbürg

„Im Märchen geht es auch um gegensätzliche Erfahrungen“, sagt die Stuttgarter Künstlerin, die die Bodeninstallation „Winterreise“ für die neue Ausstellung „Eiskalt verzaubert. Im Reich der Schneekönigin“ in Schloss Neuenbürg geschaffen hat.

Hans Christian Andersens Kunstmärchen „Die Schneekönigin“ von 1844 dient als Vorlage für die Schau, die von Sonntag bis 6. Januar zu besichtigen ist. Darin geht es um die Geschichte der Kinder Kai und Gerda, die durch die Macht der Schneekönigin getrennt werden, am Ende aber das Böse besiegen. Die Ausstellung betrachtet das Märchen aus der künstlerischen Perspektive, schlägt die Brücke zwischen Buchillustrationen, zeitgenössischer Kunst und interaktiven Stationen für Kinder. Von acht Künstlern aus Finnland, Holland, Italien oder Russland sind Skulpturen zu sehen, Fotografien, Rauminstallationen und Mischtechniken. Olga Poljakowas 40 bemerkenswerte Aquarelle von 2012 etwa begleiten den Betrachter durch alle vier Räume, vermitteln – neben Texten und Hörbuchstationen – die Handlung der Geschichte. „Das Märchen hat viele Künstler inspiriert“, verweist Kuratorin und Museumsleiterin Saskia Dams auf historische Illustrationen im Jugendstil. Als zart-floraler Rosenstock wirkt die textile Arbeit von Anne Carnein, als kitschige Birkenwaldlandschaft mit Plüschhase und Kunstschnee die Installation von Karen Kilimnik.

Im dritten Raum kommt der Betrachter im Eispalast der Schneekönigin an, wo Westerwinters Teppichinstallation der Blickfang ist. In den Bann zieht auch eine großformatige Fotografie von Marleen Sleeuwits, die Installation aus Spiegeln und Spiegelfolien abbildet. „Die eiskalte Atmosphäre strömt einem förmlich entgegen“, ist Dams fasziniert. Eindrucksvoll auch die Fotografie von Susanna Majuri, die einen im Wasser versenkten PVC-Boden mit Märchenmotiven in Verbindung mit einer tauchenden Frau zeigt.

Eine zu Eis erstarrte Menschengestalt scheint sich hinter der Leinwandarbeit „Silence“ von Anne von Freyburg zu verbergen, bei der Acryl und Öl, aber auch Stickereien und Steine verarbeitet wurden. Durch knallbunte Regenbogenfarben und helles Licht grenzt sich der letzte Raum ab. Simone Westerwinter hat ihn gestaltet – als Raum der Interaktion und Kreativität mit Blick in die Natur.