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Neben der farbigen Stoffbespannung der Vitrinen ist auch der Ausstellungsraum beleuchtet. Das Konzept dafür hat der Pforzheimer Veranstaltungstechniker Frank Willmann umgesetzt. Schmuckmuseum Pforzheim/reinhardt
27.10.2017

Neue Ausstellung im Schmuckmuseum: Graue Eminenzen tauchen ein in pinkfarbenes Licht

Zartes, Exzentrisches, Verletzliches, aber auch lustvoll Leuchtendes verbindet sich mit dieser Signalfarbe. Einst demonstrierte sie als Purpur weltliche und kirchliche Macht, in der Mode will sie bis heute schockieren. Kaum eine andere löst derart widersprüchliche Assoziationen und Emotionen aus als das oft mit Vorurteilen behaftete Pink.

„Es ist eine Farbe, die anzieht, die den Betrachter herholt“, sagt Cornelie Holzach, Leiterin des Schmuckmuseums Pforzheim. Für die aktuelle Ausstellung „Pretty on Pink – Graue Eminenzen des Schmucks“ hat sie zeitgenössische, historische und ethnografische Objekte, die großteils aus der eigenen Sammlung stammen, auf Augenhöhe angeordnet, und nicht nach Epochen. So kommt Eisenschmuck aus Namibia und Muschelschmuck aus Papua Neuguinea in dieser Art der Präsentation anders zur Geltung als in einem vermeintlich passenden, der Herkunft entsprechenden Kontext: mit hohem Grad an Abstraktion und moderner Wirkung.

Bildergalerie: Pretty on Pink — Graue Eminenzen des Schmucks

Der Schmuck selbst ist meist grau, in allen Nuancen zwischen schwarz und weiß. Damit werden neue Materialien in Szene gesetzt, die die Schmuckkünstler inspirierten, aber auch unterschiedliche Stimmungen: Zurückhaltung bei Trauerschmuck wie in den fallenden Blättern aus Eisen, edles Understatement bei Diamentenschmuck, kühle Nüchternheit und Rationalität im Art Déco und in der Bauhaus-Tradition sowie technoide, grafische Elemente in der Arbeit von Rüdiger Lorenzen, ehemals Professor an der Hochschule für Gestaltung. So finden sich weiße und graue Metalle wie Platin, Weißgold, Silber, Stahl und Eisen, aber auch Naturmaterialien wie Perlen, Muscheln und Elfenbein sowie künstlich hergestellte Stoffe wie Porzellan, Beton und Acryl.

Mit Stahl und Eisen stellt „Pretty on Pink“ auch Bezüge zur Pforzheimer Schmuckindustrie her. Denn diese zeichnete sich dadurch aus, Luxus für eine breite Käuferschicht erschwinglich zu machen, indem sie günstige, alternative Materialien mit hoher ästhetischer Wirkung einsetzte. Die Ausstellung zeigt, wie sich das Nichtverwenden von Farbe beim Schmuck quer durch die Epochen zieht, von der Bronze- und Eisenzeit bis ins 21. Jahrhundert.

Der ausgestellte Schmuck ist „so gut gestaltet, so robust in der Aussage, dass er ganz schön was aushält“, so Holzach. Auch dieses heftige Pink, mit dem die Ausstellungsmacherinnen die Objekte in den stoffbespannten Vitrinen kombinieren. Manche Stücke saugen die umgebende Lichtfarbe auf, wie die schwarze Emaillebrosche von Mirjam Hiller. Oder Peter Skubics Brosche aus glänzendem Metall, in dem sich das Gegenüber spiegelt und das Schmuckstück selbst immer mehr zu verschwinden scheint.

Die Farbe kontrastiert die Objekte und rückt sie ganz undezent in den Vordergrund. „Die Ausstellungsgestaltung konzentriert sich bewusst auf Farbe als eigenständiges Thema“, erläutert Holzach. Im Vordergrund steht der Kontrast zwischen Pink und Grau, in der Farbwirkung wie in den jeweiligen kulturellen Bedeutungen.

In die Ausstellung integriert ist ein Halsschmuck von Stephanie Hensle. Mit diesem Ankauf setzt sich der Förderverein des Museums ISSP wie in den Vorjahren fürs Erweitern der Sammlung des Hauses ein. Hensle ist Absolventin der Goldschmiedeschule und der Hochschule Pforzheim. Ihre Neuinterpretation der alten Technik des Guillochierens und die spannende Oberflächengestaltung hätten die Jury überzeugt, hieß es.