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Eine Besucherin steht im Haupttor des Römerkastells Saalburg bei Bad Homburg. Foto: Dedert
Eine Besucherin steht im Haupttor des Römerkastells Saalburg bei Bad Homburg. Foto: Dedert
Blick in die Überreste eines Hypokaustum (Warmluftheizung) in Aalen.
Blick in die Überreste eines Hypokaustum (Warmluftheizung) in Aalen.
Das Kastell in Aalen mit dem Limesmuseum (links) ist Teil des transnationalen Unesco-Welterbes. Foto: Kastl
Das Kastell in Aalen mit dem Limesmuseum (links) ist Teil des transnationalen Unesco-Welterbes. Foto: Kastl
15.07.2015

Neuer Schwung für schwieriges Denkmal

Matthias Pausch erinnert sich noch genau: Als kurz nach der Jahrtausendwende plötzlich die Idee vom „Welterbe Limes“ die Runde machte, stieß das bei Vielen auf Skepsis. „Ein Titel ohne Mittel“ hätten seinerzeit manche gespottet. Und überhaupt: Wie solle man schützen, was man ja eh kaum sehe, hätten andere eingewandt, berichtet der Leiter des Römerparks Ruffenhofen am bayerischen Limes. Tatsächlich ist der insgesamt 550 Kilometer lange Limes oft nur als unscheinbarer Erdwall sichtbar – auch entlang der 164 Kilometer in Baden-Württemberg.

Bundeszuschüsse fließen

Inzwischen seien die Skeptiker verstummt, berichtet Pausch. Denn ohne den Welterbestatus, der dem obergermanischen-raetischen Limes vor genau zehn Jahren verliehen worden war, gäbe es heute eine der wichtigsten Besucher-Attraktionen im strukturschwachen südlichen Franken nicht: das Limes-Museum „Limeseum“. Erst der Welterbe-Status des Limes verschaffte dem Römerpark den Zugang zu Bundeszuschüssen. 2008 nahm das Limes-Informationszentrum Baden-Württemberg (LIZ) im Limesmuseum Aalen (Ostalbkreis) seine Arbeit auf.

Museen neu gestaltet

Für den Vorsitzenden der Deutschen Limes-Kommission, Professor Sebastian Sommer, aber hat der Welterbestatus dem Limes vor allem eines gebracht: Er hat ihn deutlich stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Anrainer-Gemeinden setzten sich mit dem lange kaum wahrgenommenen Denkmal stärker auseinander. Zur Vermittlung und zum Schutz des Limes haben inzwischen alle vier vom Limes durchzogenen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz offizielle Limes-Informationszentren errichtet. „Und auch Museen sind vielerorts neu bearbeitet worden“, berichtet Sommer.

Deutlich dichter geworden ist auch das regionale Informationsangebot entlang des einstigen Grenzwalls, der oft nur als leichte Bodenwelle erkennbar ist. In Rheinland-Pfalz entstand neben dem offiziellen Limes-Infozentrum in Rheinbrohl, dem nördlichen Limes-Endpunkt, ein kleineres Infozentrum in Pohl, dem einstigen Standort eines Kleinkastells. In Baden-Württemberg sind Aalen und Osterburken Hauptanziehungspunkte für Limes-Besucher. In Bayern hat vor allem der Römerpark im fränkischen Ruffenhofen mit seinem „Limeseum“ einen starken Push vom Welterbestatus erhalten. Die fränkische Römerstadt Weißenburg baut gerade ihr Römermuseum um.

Mit dem Unesco-Status hat nach Sommers Einschätzung auch die teils vernachlässigte Limes-Forschung wieder Auftrieb erhalten. Viele Wissenschaftler beschäftigten sich wieder verstärkt mit der nördlichen Außengrenze des einstigen römischen Weltreichs. Neue Einsichten lieferte unter anderem ein sogenannter Airborne-Laserscan: Bei Überflügen entstandene Aufnahmen zeigen die nackte Landschaft entlang des Limes – ohne Bäume, Sträucher oder anderen Bewuchs. „Dabei konnten wir an einigen Stellen erkennen, dass der bisher angenommene Limesverlauf falsch war“, berichtet Sommer.

Leichter zu schützen

Vor allem aber habe der Welterbestatus den Schutz des Limes erheblich verbessert. „Wir haben zwar die gleichen Gesetze wie vorher – aber wir haben ein zusätzliches Argument, wenn Baupläne den Limes bedrohen: Wir können sagen: Hier schaut die Weltöffentlichkeit drauf“, berichtet Sommer.