760_0900_107629_L760_S3595483_C21.jpg
Joachim Kilian in seiner Galerie zwischen Gemälden von Gerhard Neumaier (links) und Martina Flößer. Im Vordergrund zwei Künstlerpuppen von Kea Tute.  Foto: Volz 

Neueröffnung der Kilian Gallery in Öschelbronn: Tiefer Griff in die eigene Sammlung

Niefern-Öschelbron. Es ist wie ein Rückblick auf über 40 Jahre Leben mit und für die Kunst. Joachim Kilian eröffnete 1977 in einem gemieteten Bauernhaus in Öschelbronn eine kleine Galerie mit regem Kunstbetrieb. Anfang der 1980er-Jahre zog er in die Parkstraße um, und die Galerietätigkeit rückte allmählich hinter beruflichen und familiären Aufgaben in den Hintergrund. Nun begibt sich der Kunstliebhaber und -berater zurück zu seinen Wurzeln und haucht der Kilian Gallery neues Leben ein. Am Sonntag wird sie mit einem „Tag der offenen Tür“ wiedereröffnet.

Für seine erste Ausstellung nach Jahrzehnten greift Kilian tief in die eigenen Bestände. Die Beschäftigung mit und die Liebe zur Kunst haben ihn nie verlassen, und so hat er inzwischen vieles gesammelt, was ihm zwar immer lieb war, von dem er sich nun aber mit gutem Gefühl trennen kann. Wichtig ist es ihm, ein breites Publikum anzusprechen, auch seine Mitbürger in Öschelbronn.

Der gebürtige Stuttgarter Joachim Kilian kam 1970 in die Enzkreis-Gemeinde und war mit seinen künstlerischen Ambitionen lange ein Exot. Nach 40 Jahren ist er im Ort angekommen und heimisch geworden. Hier übt er seinen Beruf als Inhaber einer Werbeagentur aus, hier hat er mit seiner Frau drei Kinder groß gezogen und einen Verein ins Leben gerufen: „Alte Schmiede e. V.“ kümmert sich um Erhalt und Entwicklung der Schöpf’schen Schmiede als Kulturdenkmal.

Der Beruf lässt ihm mittlerweile mehr Zeit. Im Haus hat er einen Raum, der für die Galerietätigkeit gedacht und geeignet ist. Die Auswahl ist reichhaltig, vielfältig, reicht von Kunst mit politischer Aussage bis zum dekorativen Accessoire, und es ist auch für den kleinen Geldbeutel etwas dabei.

Ein Schwerpunkt liegt auf Keramik, denn Joachim Kilian hat großes Interesse an der Töpferei, die er seit Jahrzehnten auch selbst ausübt. Sein Lehrmeister war der bekannte Keramiker Ulli Fürner aus Maulbronn, der mit zahlreichen Objekten vertreten ist. Von dem für seine historischen Kulissen bekannten Karl Dieter Horn sind Architekturkeramiken zu bestaunen. Formschöne, reduzierte Gefäße stammen von Jochen Schimpfle aus Überlingen. Es gibt Werkskizzen von Christo, Serigrafien des Cobra-Künstlers Corneille, Plakate von Horst Janssen (Andy Warhol) und von Joseph Beuys (Goldkuchen). Die eigenwillige Sicht des Baden-Badener Künstlers Gerhard Neumaier auf die Welt zeigen ein Gemälde und Künstlermappen mit Siebdrucken.

Eine Installation der Textilkünstlerin Marie-Luise Frey beschäftigt sich mit dem Verfall des weiblichen Körpers. Dazwischen bezaubern Künstlerpuppen und Kleinobjekte von Kea Tute, hängen zwei Gemälde der Theatermalerin Martina Flößer. Für die Besucher gibt es viel zu entdecken – und vielleicht auch zu kaufen.

INFO:

Kilian Gallery, Parkstraße 2, Niefern-Öschelbronn, Tag der offenen Tür am Sonntag, 10 November, 11 bis 18 Uhr