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Kulturelle Vielfalt: Autorin Uschi Gassler (links), Liedermacher Roland Bliesener und das aktivistisch-feministische Theaterkollektiv „Faul und hässlich“ mit Laura Götz und Maren Kraus (rechts). Roller 
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Nicht nur kulinarisch mit Foodtrucks ist einiges geboten. Auch szenische Lesungen – hier eine des Osterfeld-Amateurtheatervereins – und das Kindertheaterstück „Die Echosammlerin“ von Aika & Kompagnons gibt es zu sehen. Reinhardt 
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Kulturelle Vielfalt: Autorin Uschi Gassler (links), Liedermacher Roland Bliesener und das aktivistisch-feministische Theaterkollektiv „Faul und hässlich“ mit Laura Götz und Maren Kraus (rechts). Roller 
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Kulturelle Vielfalt: Autorin Uschi Gassler (links), Liedermacher Roland Bliesener und das aktivistisch-feministische Theaterkollektiv „Faul und hässlich“ mit Laura Götz und Maren Kraus (rechts). Roller 
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Neues Leben in alten Mauern: Kulturfestival „TTTT“ im Alten Schlachthof kommt gut an

Wo einst Tiere geschlachtet wurden, gibt es Theateraufführungen zu sehen. Wo einst Lastwagen Waren anlieferten und abholten, wird musiziert. Wo einst Eiseskälte herrschte, laden Kunstinstallationen zum Verweilen ein: Der Alte Schlachthof hat sich am Wochenende drei Tage lang in einen Ort der Kunst und der Kreativität verwandelt. Initiiert von der Genossenschaft Gewerbekultur, haben Kulturschaffende aus der näheren und weiteren Umgebung das gesamte Areal in eine große Bühne verwandelt. Und da war einiges geboten: für Kinder ebenso wie für Erwachsene.

Entspannt sitzt Roland Bliesener auf dem Freigelände. Statt lärmender Lastwagen hört man sanfte Töne: Der Liedermacher hat Stücke im Gepäck, die nachdenklich machen und Fragen stellen. Sie tragen Titel wie „Der Letzte macht die Lichter aus“ und „Glückscentdiebe“ und kommen ganz unaufgeregt daher, im Stil von Hannes Wader oder Wolf Biermann. Beides Vorbilder für Bliesener, der seit rund zehn Jahren Lieder schreibt. Fast eine Stunde dauert sein Konzert, für das er viel Applaus bekommt.

Texte voller Geheimnisse

Wenig später beginnt Uschi Gassler im Inneren des Gebäudes mit ihrer Lesung. Die in Königsbach lebende Autorin hat Krimis im Gepäck, Texte voller Spannung und Geheimnisse. Einer stammt aus dem Sammelband „Mörderische Machenschaften“. Es geht um eine Frau, die eine Studentin umbringt, von der sie glaubt, dass sie ihren Mann verführt hat. Gassler lässt die Zuhörer teilhaben an der Gedankenwelt einer Mörderin, an ihrer emotionalen Kälte, an ihren Beweggründen und an ihrer Angst, überführt zu werden. In den Romanen „Biographie des Tötens“ und „Den Tod verfehlt“ arbeitet die Autorin mit mehreren Zeitebenen. In beiden heißt der Protagonist Jeromey DeLorca: ein Spezialagent, der zur Hälfte Oglala-Lakota-Indianer ist. Gassler lässt ihn lebendig werden, wenn er aus dem Hinterhalt von einem Projektil getroffen wird, ohne zu sterben. Ihre Stimme hallt von den hohen, weiß gefliesten Wänden wider, während das Abendlicht gedämpft durch die großen, quaderförmigen Fenster fällt. Das Publikum hängt an ihren Lippen.

Eine halbe Stunde später steht es Schlange. Denn das feministische Theaterkollektiv „Faul und hässlich“ lässt seine Zuschauer nur einzeln eintreten. Clara Kaltenbacher öffnet das große Rolltor der Halle zwei: „Herzlich willkommen im Matriarchat“, begrüßt sie nacheinander jeden einzelnen: „Darf ich Sie nach ihrer Geschlechtsidentität fragen?“ Frauen sitzen rechts, Männer links. Dann schließt sie das Tor und ihre beiden Kolleginnen Maren Kraus und Laura Götz betreten die Bühne.

Theaterstück will wachrütteln

Ihr Stück vermischt Elemente von Schauspiel, Tanz und szenischer Lesung. Es geht um die Ungleichbehandlung von Frauen: im Berufsleben, in den Werken berühmter Dramatiker und in der Ausbildung. Erst vor rund hundert Jahren wurden hierzulande Frauen offiziell an Kunstakademien zugelassen. Bis 1958 brauchten sie die Zustimmung ihres Ehemanns, um arbeiten zu dürfen. Und auch heute noch bekommen sie für ihre Arbeit weniger Geld als Männer. Das Stück will wachrütteln und sensibilisieren. Kraus und Götz spannen rote Schnüre durch den Raum, an denen sie später Informationstafeln aufhängen. Nach einer guten Stunde spendet das Publikum tosenden Beifall.

Auch wenn es bei einzelnen Programmpunkten mehr Besucher hätten sein dürfen: Die Veranstalter sind zufrieden, wie Winfried Reinhardt stellvertretend sagt, als das Festival am Sonntag mit dem Figurentheaterstück von Raphael Mürle, Harald Kröner und Matthias Hautsch endet.