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Perfektes Zusammenspiel: die Musiker Essiet Essiet, Danny Grissett (Klavier), Jeremy Pelt, Wayne Escoffery und Janis Dudli (von links).  Foto: Roller 

New York Jazz Partners begeistern im „Domicile“ in Pforzheim

Pforzheim. Stilsicher manövrieren sie sich durch Tempo- und Taktwechsel. Ganz locker, scheinbar ohne Mühe weben sie einen reich verzierten Klangteppich. Jeremy Pelt, Wayne Escoffery, Essiet Essiet, Danny Grissett und Janis Dudli legen eine frische, intensive, zupackende Spielweise an den Tag. Und dennoch klingt ihre Musik ganz leicht, ganz entspannt. Was die „New York Jazz Partners“ am Montagabend im Jazzclub „Domicile“ treiben, ist Kunst – und zwar auf allerhöchstem Niveau. Sie spielen eine Form des Jazz, die an den Bebop erinnert: schnell, auch mal hektisch, mit vielen Soli, mit viel Improvisation und komplizierter Harmonik.

Inmitten wilder Klangwelten entdeckt das Publikum Bekanntes, immer wiederkehrende Themen, die sich wie ein roter Faden durch die Stücke ziehen und Orientierung geben. Jeder der fünf Musiker beherrscht sein Instrument perfekt. Jeremy Pelt lässt auf seiner Trompete bunte Klanggemälde entstehen, reich an Farben, Formen und Texturen. Mal fließt alles organisch ineinander, mal herrscht Unordnung und Disharmonie. Pelt konzentriert sich voll und ganz auf die Musik, verzieht keine Miene, macht keine großen Gesten. Zwischendurch zieht er ein Taschentuch aus seiner Hosentasche, um sich damit den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Immer, wenn man denkt, er sei jetzt fertig, legt er nochmal nach, noch zupackender und kraftvoller als zuvor. Danach übergibt er oft an seinen Kollegen Wayne Escoffery, der ihm am Saxofon in Sachen Virtuosität in nichts nachsteht. Sein Instrument bringt er zum Quietschen und zum Kreischen.

Mit viel Gefühl zupft Essiet Essiet die Saiten seines Kontrabasses, lässt ihn knarzen und beweist ein feines Gespür für die Zwischentöne. Er ist der Saitenmagier in der Band, sein Kollege Danny Grissett am Klavier ein wahrer Tastentauberer. Mit nuanciertem Anschlag setzt er schöne Akzente, schafft mal leicht vor sich hinfließende, mal gehaltvolle Melodien. Janis Dudli hält sich mit seinem Schlagzeug die meiste Zeit dezent im Hintergrund und gibt unauffällig den Takt vor. Doch er kann in ausgedehnten Soli die Sticks auch durch die Luft und kraftvoll über die Becken und Trommeln wirbeln.

Ohne Frage: Die Musiker leisten hervorragende Arbeit. Aber letztlich sind es die nahtlosen Übergänge und das perfekte Zusammenspiel, die den Reiz dieses Konzerts ausmachen. Zwischen den einzelnen Stücken greift Pelt immer wieder zum Mikrofon. Es ist seine Aufgabe, durch den Abend zu führen, die Titel anzukündigen. Er bedankt sich beim Publikum fürs Kommen, betont, wie gern man auf der Bühne stehe und Musik mache. Es ist das letzte Konzert in diesem Jahr im „Domicile“, und es klingt fast etwas melancholisch, als Inhaber Axel Klauschke zu Beginn sagt: „Keiner weiß, was nächstes Jahr sein wird.“