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Torsten Sträter: der Kabarettist mit Mütze.  Frommer
Torsten Sträter: der Kabarettist mit Mütze. Frommer
19.10.2015

Nichts bringt Torsten Sträter vor vollem Haus aus der Ruhe

Pforzheim. Nicht weniger als 416 Zuschauer wollen Torsten Sträter im Osterfeld live erleben. Mehr gehen nicht rein. Pforzheim hat Torsten Sträter (49) schon bei seinem ersten Auftritt im Vorjahr gut gefallen, betont er; diesmal lässt der Dortmunder Kabarettist den großen Saal eigens kurz ausleuchten, um sein Publikum einen Moment lang auch oben, in den Logen und auf der Empore sehen und genießen zu können.

Er nimmt sich die Zeit, sich bei den Zuschauern ausdrücklich zu bedanken. Und bei Dieter Nuhr, dem „Müller-Wohlfahrt der Kabarettisten“, dessen Ruf er in die ARD gefolgt ist, was nicht gerade unwesentlich zum aktuellen Popularitätsschub Sträters beigetragen hat. Als Anhalter, so lässt er später in seinem Solo-Programm durchblicken, werde er auf den Fernstraßen trotz der TV-Präsenz nicht mitgenommen, selbst wenn er auf sein Markenzeichen, eine schwarze Wollmütze verzichte – erzählt er und nimmt zum Erstaunen der Osterfeld-Gäste seine Kopfbedeckung kurz ab. Eine winzige Geste die bei Torsten Sträter nicht einstudiert wirkt, sondern irgendwie zeitlupen-ehrlich, fast sogar dünnhäutig.

Mit dem Comedy- und Kabarett-Publikum im Süden scheint er so seine Erfahrungen gemacht zu haben: In Stuttgart habe er wohl während einer Grippe-Welle gastiert, so häufig sei im Saal gehustet worden: „Ich hatte das Gefühl, die morsen sich gegenseitig Nachrichten zu“, erzählt er, und fügt in seiner knappen Art noch hinzu: „Rentner Words App.“ Was die Pforzheimer Zuschauer mit frenetischem Szenenapplaus honorieren. In Tuttlingen und Kreuzlingen herrsche „Totenstarre im Publikum“. Dennoch hat Torsten Sträter 2013 den Sonderpreis der „Tuttlinger Krähe“ gewonnen. Und auf der Bühne scheint ihn längst nichts mehr aus der Ruhe bringen zu können: Ein in den Zuschauerreihen klingelndes Handy kommentiert er lässig mit: „Gehen Sie ruhig ran“ und wiederkehrendes Räuspern lakonisch mit: „Alles raus, was keine Miete zahlt!“

Von Fußball, sagt der Dortmunder, habe er eigentlich keinen Schimmer. Dennoch werden seine humoristischen Kolumnen im Kicker veröffentlicht. Im Osterfeld liest er aus seinen Diät-Tagebüchern – und erntet dafür stürmischen Applaus. rdf