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Udo Lindenberg ist trotz seiner 71 Jahre noch richtig fit. Foto: dpa
Udo Lindenberg ist trotz seiner 71 Jahre noch richtig fit. Foto: dpa
23.05.2017

Nonstop Panik-Rock: Udo Lindenberg begeistert in der Stuttgarter Schleyerhalle

Udo Lindenberg ist zwar Westfale. Und dennoch: Mit dem Nordschwarzwald fühlt er sich eng verbunden. Der ewig junge Altrocker lässt keine Gelegenheit aus, seine Liebe zur Region zu bekunden. So auch bei seinem begeisternden Konzert in der Stuttgarter Schleyerhalle, die schon seit Langem mit 12.500 Besuchern ausverkauft ist. „Wie heißen hier die wunderschönen Orte in Baden-Württemberg?“, nuschelt er ins Mikrofon. Die Antwort liefert er sogleich mit: „Calw und Pforzheim.“

Der Hype um ihn ist riesengroß. Es ist zeitraubender, in der tippelnden Menschenmenge die Halle zu erreichen, als am folgenden Tag ein paar Meter davon entfernt das Stadion, in dem der VfB Stuttgart den Bundesliga-Aufstieg perfekt macht. Zumal in der Porschearena zeitgleich zu Udo auch noch ein ebenfalls ausverkauftes Konzert mit DJ Bobo lockt.

Irgendwie außer- und überirdisch, was da von Anfang an abgeht. Zu den Klängen seines Lieds „Odyssee“ schwebt er von der Decke auf die Bühne. Ebenso spektakulär verabschiedet er sich nach nonstop zwei Stunden und zwanzig Minuten von seinen Fans: Im Astronauten-Look entschwindet der Panikrocker wieder in andere Sphären, eingehüllt in ein Feuerwerk und Bühnennebel.

Zwischendurch schwebt ein überdimensionales rotes Cello von der Decke, passend zu seinem gleichnamigen Hit. Dann dreht ein Ufo ohne Udo seine Runden über den Köpfen seiner glühenden Anhänger, und ein anderes Mal rudert ein Gorilla in einem Boot durch den Saal, goldenes Konfetti um sich werfend.

Da stört es dann wenig, dass die Akustik außerordentlich zu wünschen übrig lässt. Schließlich kennen seine Freunde die Texte auswendig, egal ob „Eldorado“, „Durch die schweren Zeiten“ oder „Stärker als die Zeit“ erklingt, die Nummer, nach der die Tournee benannt ist. Besonders einfühlsam erklingt zusammen mit einem Kinderchor „Wozu sind Kriege da?“. Dabei hat Udo Gelegenheit, gegen die 1,7 Billionen US-Dollar zu wettern, die jährlich für Waffen ausgegeben werden, während weltweit Kinder sterben. „Diese Kriege und die Völkerverarschung müssen endlich aufhören.“ Dabei flimmern über die gewaltige Videowand die Köpfe von Trump, Putin, Orban, Erdogan, Kim Jong-un, Frauke Petry und anderen Populisten, Nationalisten und Rassisten, denen jeweils ein Clownhut verpasst wird.

Freude auch bei Freudenthaler

Bevor der 71-jährige nach wie vor laufstarke Rocker per Kapsel abhebt, lässt er noch bei einigen Udo-Klassikern wie „Johnny Controlletti“, „Sonderzug nach Pankow“, „Andrea Doria“ und „Reeperbahn“ sogar die 100 Meter von der Bühne entfernten Pressetische erzittern. Beseelt verlassen die Udo-Enthusiasten die Schleyerhalle. Ein Großer der deutschen Rock- und Pop-Szene zollt als Zuhörer dabei einem noch größeren Tribut: der aus Neuhausen stammende Ötisheimer Peter Freudenthaler, die Stimme von „Fools Garden“ („Lemon Tree“).