nach oben
Sie proben immer montags im Audimax: Lisa Müller, Michael Kühn, Levin Schickle, Robin Wilka, Johanna Jackstadt, Miriam Heffter, Maxime Durand, Gerd Hacker und Sonja Stamm (von links). Professor Frank Lindenlauf (vorne) leitet die Band.  Foto: Ketterl
Sie proben immer montags im Audimax: Lisa Müller, Michael Kühn, Levin Schickle, Robin Wilka, Johanna Jackstadt, Miriam Heffter, Maxime Durand, Gerd Hacker und Sonja Stamm (von links). Professor Frank Lindenlauf (vorne) leitet die Band. Foto: Ketterl
13.05.2016

Nur wenige Pforzheimer Studenten machen gemeinsam Musik

Dass das musikalische Leben an der Pforzheimer Hochschule nicht so wirklich funktioniert, zeigt eines: Auch hier gab es einen Hochschulchor. Lange aber gab es ihn nicht. „Das ging so von 2002 bis 2005“, sagt Kord Michaelis, der den Chor damals leitete. Eine magere Bilanz. Und das für eine Institution, die es an beinahe jeder Hochschule gibt – und, die neben der Freude an Musik eine weitere Funktion hat. Im Chor, im Orchester treffen Studenten zusammen, die sich im Hörsaal nie treffen würden. Sie machen Musik, lernen sich besser kennen – und befreunden sich vielleicht. Doch in Pforzheim klappt das selten. Das Angebot ist einfach zu klein.

An manchen Universitäten gibt es große Sinfonieorchester, mehrere Chöre, Big Bands und weitere Ensembles. „Dass es an der Pforzheimer Hochschule keine Geisteswissenschaftler gibt, das merkt man schon“, sagt Michaelis, „Die Studienmentalität ist da einfach eine andere.“ Aber das allein scheint nicht der Grund zu sein. Denn Geisteswissenschaftler gibt es an der Hochschule Reutlingen oder Esslingen auch nicht. Trotzdem haben beide Hochschulen ihre Chöre – und Sinfonieorchester noch dazu. Davon ist Pforzheim weit entfernt. Eine Institution gibt es aber: die Big Band der Hochschule. Sie ist nicht besonders groß. „Wir hätten wirklich gerne noch ein paar mehr Studenten“, sagt Professor Frank Lindenlauf, der Leiter der Big Band. Aber schon hier zeigt sich, wie gut das funktionieren kann, wenn Studenten zusammen Musik machen.

Maxime Durand kommt aus Frankreich, für ein Jahr ist er im Rahmen seines Marketing-Studiums in Pforzheim. Er mag Deutschland und auch die Möglichkeiten, die das Land ihm bietet. „Hier in Pforzheim kann ich mein Deutsch verbessern und auch mein Englisch, weil alle Kurse auf Englisch sind.“ Zu Hause, da hat er Saxofon gespielt. Das geht jetzt auch in der Big-Band. Maxime ist froh darüber. „Hier kann ich Musik machen und gleichzeitig neue Leute kennenlernen.“ Sein Deutsch verbessert sich spielerisch, denn seine Musikerkollegen sind für ihn Freunde geworden „Und es ist gut, mit Freunden zu sprechen“, sagt er.

Schwer war das nicht. Nach kurzem E-mail-Kontakt hat Durand die Proben besucht – und ist geblieben. „Es ist schon erstaunlich, wie wenig Studenten sich in Pforzheim musikalisch engagieren“, sagt Salome Tendies. Sie leitet den Chor des Theaters Pforzheim – und auch den Extrachor, in dem musikalische Laien mitsingen können.

Studenten sind da meist nicht darunter. Vielleicht scheuen sie den Aufwand. Denn wer im Extrachor singt, ist auch regelmäßig auf der Theaterbühne zu sehen. Aber reicht das als Erklärung aus? „Ich glaube, das Grundinteresse ist einfach nicht da.“ Viele Pforzheimer Studenten pendeln lieber, als in die Stadt zu ziehen. „Das merken wir schon“, sagt Lindenlauf. „Wer seine letzte Vorlesung um drei hat, bleibt für eine Probe nicht einfach bis abends da – und das gilt auch für die Professoren.“

Vielleicht ist es auch die Pforzheimer Kombination aus technischen, wirtschaftlichen und gestalterischen Fächern, die Musiker nicht in Massen hervorbringt. Kann der, der sich tagsüber am Schmuck kreativ verausgabt, nicht abends musikalisch sein? Isabel Arnold ist das beste Gegenbeispiel. Sie hat vor drei Jahren ihre Ausbildung zur Schmuckdesignerin abgeschlossen, studiert seitdem in Trier – und hält immer noch Kontakt. „Ich bin nach Pforzheim gekommen und wollte unbedingt wieder im Chor singen.“ Im Oratorienchor findet sie die Gemeinschaft, die noch heute hält. „Im Chor zu singen, ist auch ein sozialer, fast familiärer Akt“, sagt Arnold. „Man lernt so viele Leute kennen, die man sonst niemals treffen würde – und das Singen schweißt zusammen.“ Auch in Trier. Dort studiert Arnold seit drei Jahren Kommunikationsdesign – und singt natürlich im Hochschulchor.