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Udo Spreitzenbarth fand bei der Vernissage im VolksbankHaus ein begeistertes Publikum. Seine ausdrucksstarken Bilder zeigen das Pforzheimer Schmuckschaffen von seiner schönsten Seite.
Perfekt in Szene gesetzt: PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer ist stolz auf Michelle Heintz, die dem Fotografen als Model dienen durfte, im realen Leben aber Mediengestalterin im Verlag der „Pforzheimer Zeitung“ ist.
02.05.2017

„Objects of desire“: Ausstellung im VolksbankHaus eröffnet

Er ist seiner Heimat eng verbunden, beruflich ist er ihr längst entwachsen. Der gebürtige Pforzheimer Udo Spreitzenbarth lebt und arbeitet heute als Modefotograf in New York und steht im Ruf, einer der Weltbesten seiner Zunft zu sein.

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Für das Schmuckjubiläum hatte er sich dazu gewinnen lassen, seinen Arbeitsplatz kurzzeitig in ein Studio der Hochschule zu verlegen, um hier auf ungewöhnliche Weise und in einer ganz eigenen Bildsprache in Szene zu setzen, was nicht nur das Jubiläum, sondern die Stadt und ihre Menschen geprägt hat. Es geht – natürlich – um Schmuck. Es geht, wie die am Freitagabend im VolksbankHaus eröffnete Ausstellung bewies, aber auch um die Kraft der Fotografie, eine eigene Realität zu schaffen.

Exponate auf Weltniveau

Nach der Entdeckungsreise durch die Stadt, in der mit zehn überdimensionalen Bildwänden, sogenannten „Billboards“, neue Akzente gesetzt werden, zeigte das VolksbankHaus mit seinem lichtdurchfluteten, klar strukturierten Atrium bei der Ausstellungseröffnung die Fähigkeit, Exponaten auf Weltniveau eine angemessene Umgebung zu gewähren. Ein derart ambitioniertes Ausstellungsprojekt benötigt viele Sponsoren. Jubiläumskoordinator Gerhard Baral dankte insbesondere PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer, dem Sponsor dieses Projekts und begeisterungsfähigem Kulturmäzen mit großer Liebe zur Stadt: „Er ging mit auf eine Reise, bevor er überhaupt wusste, was wir wirklich machen. Wir brauchen solche Menschen“.

Bildergalerie: Rundgang durch Pforzheim zu den Großplaketen mit Spreitzenbarth-Motiven

Die Frage, ob Fotografie der Kunst zuzurechnen sei, ist längst entschieden. In einer Gesellschaft, die komplett durchvisualisiert ist, findet Udo Spreitzenbarth einen eigenen künstlerischen Stil auch abseits vom launischen Modedesign. „Objects of desire“ – Objekte der Sehnsucht – hat er seine Pforzheimer Arbeiten mit Frauenkörpern und darauf arrangierten Schmuckstücken aus Pforzheimer Schmuckindustrie und Manufaktur genannt. Es bleibe offen, was denn das Sehnsuchtsobjekt sei, fand nicht nur die an der Pforzheimer Hochschule lehrende Professorin Dr. Silke Helmerdig in ihrer Einführungsrede. Frau oder Schmuckstück? Oder gar die Vereinigung von beidem? Sicher ist: Es sind keine von Emotionen aufgeladenen und zum Voyeurismus einladenden Bilder, die Spreitzenbarth zeigt. Seine Models – der Fotograf nennt sie Musen – geben nichts von sich preis außer glatter Haut. Schmuck wird dabei zum Schutzschild gegen aufdringlich suchende Körperblicke – eine verflochtene Interaktion zwischen Bild und Betrachter.

Bildergalerie: "Objects of Desire" von Udo Spreitzenbarth

Spreitzenbarth orientiert sich nicht an der Malerei mit emotional geprägten Motiven und Verschiebungen der Realität ins Innere, seine Wirklichkeit ist äußerst präsent und klar umrissen – verschoben in ein eigenes Zeit-Raum- Kontinuum und Wertesystem, in dem nur ein Maßstab Geltung hat: die Schönheit des Gesamtwerks. Dabei überlässt er nichts dem Zufall.

Bildergalerie: Fotografien von Spreizenbarth: Vernissage im Volksbankhaus

Seine spektakulär anmutenden Fotos machen deutlich, dass der landläufige Anspruch an die Fotografie, Abbilder der Realität zu liefern, für diesen Bereich des Mediums schon lange nicht mehr ausreicht. Hier sind großformatige Inszenierungen zu sehen, aufgenommen in einem sensibel ausgeleuchteten Bühnenraum mit Protagonisten, deren Rollenspiel in einer exakt vorgegebenen Haltung festgelegt ist. Die Wirkung der Bilder ist streng kalkuliert, die Komposition präzise, Zufälligkeiten bleiben ausgeschlossen. Makellos ist die formale Perfektion, makellos die perfekt arrangierten und gestylten Gesichter, die Körper, das minuziös kontrollierte Arrangement der realen Form. Nuancenreich und delikat das Spiel mit Licht und Schatten, mit Schärfe und Unschärfe, mit Farbe und Grautönen in den Schwarz-Weiß-Bildern: Zweidimensionales gewinnt unvermutet eine Dreidimensionalität. „Er bastelt am Maßstab der Welt“, stellte Professorin Dr. Silke Helmerdig fest.