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Altmeister an der Gitarre: John McLaughlin (74). Foto: Frommer
Altmeister an der Gitarre: John McLaughlin (74). Foto: Frommer
15.07.2016

Ohne Schnickschnack: John McLauglin gibt Konzert in Karlsruhe

Karlsruhe. Vor ziemlich genau fünf Jahren gastierte John McLauglin schon einmal auf dem Zeltival, dem Sommerfestival des Tollhauses in Karlsruhe. Nun kehrte der britische Ausnahmegitarrist mit seiner aktuellen Formation The 4th Dimension zurück und gab ein vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiertes Konzert.

Unterschiedliche Kulturen

Das Quartett The 4th Dimension ist seit Jahrzehnten McLaughlins erste Electric-Fusion-Band. Schon ihre Besetzung spiegelt seine langjährige Zusammenarbeit mit Musikern aus ganz unterschiedlichen Kulturen und musikalischen Traditionen wider. Zuletzt stieß der aus Kamerun stammende Bassist Étienne M’Bappé zu McLaughlins Formation. In Karlsruhe spielte er den fetzigen und kraftvollen E-Bass durchgängig mit schwarzen Handschuhen.

An Keyboard und Schlagzeug

Ein Gründungsmitglied von The 4th Dimension ist der Keyboarder und Multiinstrumentalist Gary Husband. Er überzeugte nicht nur an den Tasteninstrumenten, sondern wechselte hin und wieder an das zentral auf der Bühne platzierte zweite Schlagzeug – wofür er mehrfach vom Publikum mit Szenenapplaus belohnt wurde. Auch das Wechselspiel mit dem nominell ersten Schlagzeug, fulminant bedient von Ranjit Barot aus Mumbai, zählte zu den Höhepunkten des Konzerts. Barot ist seit den 2009 eingespielten Aufnahmen zu McLaughlins in Indien aufgezeichnetem Album „Floating Point“ bei der Formation – und ist seither als Schlagzeuger wie als Komponist zum Mittler zwischen den musikalischen Welten des Westens und des Ostens geworden. Altmeister John McLaughlin ließ seinen Musikern viel kreativen Freiraum, verzichtete auf den von vielen Kollegen geradezu wie ein Augapfel gehüteten Gitarrenverstärker und kam mit einem einzigen Effektgerät und dem Vorverstärker blendend aus. Zu einem wahren Klanggenuss in bluesigem Arrangement geriet seine Komposition „Gaza City“ vom 2015 veröffentlichten Album „Black Light“, das sich auf die Bombardierung der Stadt bezieht. Mit dem gleich darauf gespielten Titel „Panditji” verneigte sich McLaughlin vor dem, wie er sagte, „Musiker und Menschen Pandit Ravi Shankar“, von dem er Mitte der 1970er-Jahre viel gelernt habe.

Bald zu Gast in Stuttgart

Fazit: John McLaughlin, 1942 in Yorkshire geboren, kann ohne jeden Schnickschnack, nur mit seiner an einer einzigen Gitarre dargebotenen Musik eindrucksvoll und nachhaltig vermitteln, weshalb ihn renommierte Musikerkollegen wie Jeff Beck als den größten, lebenden Gitarristen bezeichnen. Wer das Konzert im Tollhaus nicht wahrnehmen konnte, hat im Stuttgarter Theaterhaus am 30. Juli, ab 20.30 Uhr nochmals Gelegenheit, McLaughlin und The 4th Dimension live zu erleben.