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Mit kindlicher Freude und Sprachkunst: Helge Thun (rechts) und Udo Zepezauer im Löwensaal Nöttingen.  Molnar
Mit kindlicher Freude und Sprachkunst: Helge Thun (rechts) und Udo Zepezauer im Löwensaal Nöttingen. Molnar
26.09.2016

Ohne erkennbare Mängel: „Helge und das Udo“ im Löwensaal in Nöttingen

Wenn „das Udo“ als Schildkröte, Affe oder nordfriesischer Taschenkrebs über die Bühne fegt, sein Gesicht verzieht und ein paar Balz- und Brunftrufe von sich gibt, dann sind die ersten Schenkelklopfer sicher. Dann ist auch klar, warum sich Helge Thun und Udo Zepezauer „Helge und das Udo“ nennen.

„Er ist ein begnadeter Tierdarsteller“, sagt der große, schlanke Helge über seinen kleinen Spielpartner mit Glatze, den er dabei hat, um auch bei sich einige Mängel wie „Intelligenz und Ausstrahlung“ auszugleichen. Schließlich heißt ihr fünftes Programm „Ohne erkennbare Mängel!“. Und das servieren die beiden Komiker im ausverkauften Löwensaal Nöttingen mit solch einer kindlichen Spielfreude, Stichelei und Sprachkunst, dass der Abend wie im Flug vergeht. Mit Schüttelreimen wie „Kennen wir überhaupt deren Tittendiät, äh Identität?“ gelingt ihnen zum Beispiel ein ganzer Tatort, bei dem die Kommissare am Ende selbst die Täter sind. Als vergnügliches, sprachliches Kauderwelsch entpuppt sich auch ein Künstlerinterview „auf arte“, bei dem Udo mit französischem Akzent über seine Rollen als springfreudiger King Kong, fauchendes Alien oder miesgelaunter Klaus Kinski spricht.

Noch ironischer wird es, als das Duo „Kultur nach Mitternacht“ auf Deutschlandfunk nachstellt und Chopins Trauermarsch auseinandernimmt. Helge als todernster Fragensteller, geschwollen und bedachtsam-betont. Udo als osteuropäischer Pianist, mit Fachbegriffen über das Problem von Trauer und Marsch schwafelnd. Dieser Monotonie setzen die beiden einige spritzige Lied- und Tanzszenen gegenüber, den hippen „Crêpes-Rap“ oder ein Wellness-Medley mit Songs wie „Mani-, Mani-, Maniküre“ auf Abbas „Money, Money, Money“.

Urkomisch sind vor allem die dramatischen Dialoge, bei denen jedes Wort mit U oder H anfängt. Nach der harmlosen Einstiegsfrage „Und?“ erzählt Udo bald von „Ulrike, Unfall, unten rum“ – und von „utopischen Unkosten“. Das Publikum biegt sich vor Lachen. Genauso bei Udos unnachahmlicher Heulmiene, mit der er seinen gefühlsechten Schlager „Simone, warum hast du mich verlassen“ zum Besten gibt. Helge dagegen ist als lallender Gast beim Griechen unschlagbar. Er schüttelt auch kräftig die Auberginenshaker beim Gemüse-Song „Der fleischeslustige Veganer“. Ein bisschen wirken die zwei – auf liebenswerte Weise – wie „Dick und Doof“, die vor allem eines beherrschen: das Improvisieren. Oder spielen einen Sketch im Stil von Loriot mit eingeworfenen Begriffen wie „Panisch“, „Blutrausch“ oder „Rallig“ – originell und ohne erkennbare Mängel.