nach oben
Einen Dialog gehen die Arbeiten von Olaf Quantius mit der Architektur der Großen Halle des Reuchlinhauses ein.   Recklies
Einen Dialog gehen die Arbeiten von Olaf Quantius mit der Architektur der Großen Halle des Reuchlinhauses ein. Recklies
16.07.2015

Olaf Quantius stellt sein Werk im Kunstverein aus.

Auch wenn er ab und an den Raum abseits der Wände mit Objekten bespielt, steht für den in Karlsruhe lebenden Künstler Olaf Quantius außer Frage: Er ist Maler. Von Donnerstag an ist eine Auswahl seiner Arbeiten, die in den vergangenen vier Jahren entstanden sind, im Reuchlinhaus zu sehen.

Quantius, 1971 in Bad Godesberg geboren, präsentiert seine auf Leinwand und Wolldecken gefertigten Malereien unter dem Titel „Decken und Danaiden“ und spielt damit auf zwei seiner großen Werkgruppen an: Leinwandbilder, die er seit dem Jahr 2000 dem Mythos um die 50 Töchter des libyschen Königs Danaos als Ahnherr der Griechen widmet sowie Werke auf und aus Wolldecken, mit denen er sich einerseits in der Tradition der Art povera bewegt, andererseits auch bewusst ein Spannungsverhältnis zu seinen Leinwandbildern aufbaut. Und zwar indem er den grau-braunen Decken teilweise eine neue Oberfläche verleiht, aus ihnen Objekte gestaltet oder aber Gebrauchsgegenstände, wie ein Einerkajak oder ein Paddel, mit dem flauschigen Stoff überzieht.

Turm aus Wolldecken

So eigenständig die beiden Werkgruppen für sich auch sind, so verwoben sind sie thematisch und inhaltlich miteinander. „Das vorher Geschaffene beeinflusst immer das Spätere“, sagt Quantius, der eine seiner 33 Danaiden mit einem hellen Hüttenmotiv versehen hat. Das fragile Holzgebäude steht in einer von Bäumen gesäumten weiten Landschaft. Direkt auf der gegenüberliegenden Wand findet sich bei der aktuellen Schau das Abbild eines gekippten Daches, in dunklen Tönen auf eine auf einen Keilrahmen gespannte Wolldecke gemalt, flankiert von zwei silberfarbenen Blättern. Dazwischen ein Turm, gefertigt aus Wolldecken, die ebenfalls auf Keilrahmen gespannt sind. Quantius nimmt nicht nur die Formsprache der beiden Bilder auf, sondern korrespondiert durch eine in den Raum ragende Fensterlade mit Lamellen mit dem Schauraum des Kunstvereins, dessen große Fensterflächen mit Jalousien verschattet sind.

Nur selten geben die Arbeiten des 44-Jährigen auf den ersten Blick preis, wie sie entstanden sind. Dass der Künstler für seine mehrschichtige Gestaltung der Bildtafeln auf Schablonen und Abklebungen setzt, ist schnell ausgemacht. Schwieriger wird es für den Betrachter abzulesen, welche der von Quantius zumeist abstrakt gestalteten Flächen weiter vorne oder weiter hinten liegen. Gerade in Quantius‘ Danaiden verschwimmen die Ebenen. Viele der Bilder sind von netzartigen Formen durchzogen. Dies korrespondiert vor allem in der Galerie zum Hof, wo eine ganze Reihe dieser Bilder wie ein Fries präsentiert wird, mit der Bodenfläche.