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Bernd Schuchhardt, Achim Bohlender, Erich Biank, Rolf Martin und Gernot Haug (von links) sorgen für mächtig Stimmung vor vollem Haus. Foto: Molnar
Bernd Schuchhardt, Achim Bohlender, Erich Biank, Rolf Martin und Gernot Haug (von links) sorgen für mächtig Stimmung vor vollem Haus. Foto: Molnar
27.05.2016

Old Fashion Jazzband bietet schwungvollen Ausklang der ersten Saison im Gasometer

Pforzheim. Guter, traditioneller Jazz vor vollem Haus: Ein besseres Abschlusskonzert der ersten Saison im Gasometer hätten sich die Veranstalter vom Jazzclub 55 kaum wünschen können. Mit der Old Fashion Jazzband aus dem Stuttgarter Raum kommen sowohl Freunde des alten New Orleans Jazz und Blues als auch des Swing, Schlagers und Spirituals auf ihre Kosten.

Selbst den wunderbar geschmeidigen Bossa nova „The Girl From Ipanema“ hat das Sextett drauf. Obendrein wirken Eric Biank (Trompete), Achim Bohlender (Klarinette), Gernot Haug (Posaune), Steffen Schuhmacher (Piano), Rolf Martin (Bass) und Bernd Schuchardt (Schlagzeug) alles andere als altmodisch: Lebendig und experimentierfreudig kommt die 1981 gegründete Band daher, bei der kein einziges der ursprünglichen Mitglieder mehr dabei ist. Der durch den Abend führende Bassist ist Martin mit 15 Jahren der am längsten Mitwirkende der nie probenden, aber punktgenauen Truppe. Und weil er keine Frau sei, könne er auch sein Alter verraten: 74, genau so alt wie der Standard „Perdido“, 1942 komponiert von Juan Tizol, Duke Ellingtons Posaunisten. Das Stück lebt von seinen Rhythmen, von einem fantastischen Posaunensolo und einem ersten Krachen des Drummers im Wechsel mit den Bläsern.

Hörbare Begeisterung

Immer wieder machen die Improvisationen ihre Runde. Was dabei aber von besonderem Reiz ist: die hör- und sichtbare Begeisterung der Band, wenn ihr Nesthäkchen spielt. Der 28-jährige Ersatz-Pianist und angehende Musiklehrer Steffen Schuhmacher aus Neuhausen, der bei der Pforzheimer Happyland Jazzband oder Penthouse Band schon oft ausgeholfen hat, brilliert mit wahrhaft funkelnden Tasteneinfällen. „Yeah, yeah“, kommentiert der mitgroovende Posaunist am laufenden Band, ob nun bei dem schwungvollen Standard „Take The A-Train“ oder dem in die Beine gehenden Schlager „Am Sonntag will mein Süßer“. Der Blechbläser selbst zaubert geschmeidige Töne beim „Basin Street Blues“ – und verausgabt sich mit schnellendem Zug bei „Blueberry Hill“. Hier rückt auch der Trompeter buchstäblich in den Mittelpunkt, singt er den Titel doch mit tiefer Reibeisenstimme, die unvermeidlich an Louis Armstrong erinnert.

Ironie streut der Sänger auch bei „C’est si bon“ ein, wo er die Zähne zusammenbeißt, den Mund wie ein Hund schüttelt und am Schluss aus Leibeskräften lacht. Mit eleganten Fingerläufen fällt dagegen der smarte Klarinettist ins Auge, der bei dem immer schneller werdenden „Lazy River“ und dem eingängigen „Wild Cat Blues“ seine Specials hat.

Bleibt noch der Schlagzeuger, der mit dem Bassisten die Basis bilde. Am Ende des zweiten von drei abendfüllenden Sets räumen die Musiker die Bühne – für den Drummer, der es zu „I’ve Found A New Baby“ gehörig donnern lässt. Ein Abend, der es in sich hat.