nach oben
Sonja Ziemann und Rudolf Prack als das Traumpaar der 1950er-Jahre. Foto: dpa
Sonja Ziemann und Rudolf Prack als das Traumpaar der 1950er-Jahre. Foto: dpa
23.08.2017

Operette „Schwarzwaldmädel“ auch nach 100 Jahren beliebt wie eh und je

Freiburg. Bärbele, das Mädchen mit dem Bollenhut, findet auf der Bühne auch nach 100 Jahren noch sein Publikum und hat ebenso auf der Kinoleinwand Kultstatus erreicht. Die „Schwarzwaldmädel“ betitelte Operette von Leon Jessel (1871– 1942) war am 25. August 1917 an der Komischen Oper in Berlin uraufgeführt worden. Die Liebesgeschichte mit Happy-End spielt vor der idyllischen Kulisse des Schwarzwalds und zieht nach wie vor Zuschauer an. In den vergangenen zwei Monaten etwa in Sachsen-Anhalt beim „Schönebecker Operettensommer“. In Baden-Württemberg führte die Freilichtbühne Ötigheim das Stück 2013 und 2014 auf.

Die Uraufführung vor einem Jahrhundert in Berlin jedoch stand unter keinem guten Stern, sagt Dümling. Die Beteiligten fürchteten einen Flop. Doch die Heile-Welt-Geschichte aus dem fiktiven Schwarzwalddorf Sankt Christoph, zu der Jessel die Musik und der Österreicher August Neidhart (1867–1934) den Text schrieb, traf den Nerv der Zeit. Es tobte der Erste Weltkrieg, und die Menschen sehnten sich nach Ablenkung, menschlicher Wärme und friedlichen Zeiten.

Rund 6000-mal kam das Stück nach 1917 auf die Bühne und reiste durch die Welt. In den USA zum Beispiel wurde es ebenso gezeigt wie in Argentinien. In den 1930er-Jahren wurde die Operette von den Nationalsozialisten verboten. Wegen Jessels jüdischer Abstammung galt sie dem NS-Regime als „entartete Kunst“. Der Musiker überlebte die Nazi-Zeit nicht. Er wurde im Dezember 1941 von der Gestapo festgenommen, schwer misshandelt und starb an den Folgen.

Einen Popularitätsschub folgte nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Verfilmung im Jahr 1950. Mehr als 16 Millionen Menschen pilgerten allein in Deutschland in die Kinos. Gedreht wurde er im Schwarzwalddorf St. Peter bei Freiburg. Der Film mit Sonja Ziemann (heute 91), Rudolf Prack (1905–1981) und Paul Hörbiger (1894–1981) in den Hauptrollen begeisterte im Nachkriegsdeutschland, prägte nachhaltig das Bild des Schwarzwalds und machte die Protagonisten zu Stars.

Dem Geburtstag der Operette gewidmet ist eine Ausstellung in Freiburg. Die Schau im dortigen Studio des Südwestrundfunks (SWR) ist noch bis zum 8. September zu sehen.