nach oben
Angespannt: Erisso (Merto Sungu), Condulmiero (Patrick Kabongo Mubenga) und Maometto (Mirco Palazzi, von links).
Angespannt: Erisso (Merto Sungu), Condulmiero (Patrick Kabongo Mubenga) und Maometto (Mirco Palazzi, von links).
Glanzvolle Interpretation: Die junge italienische Sopranistin Elisa Balbo verkörpert die Rolle der Anna. Fotos: Pfeiffer
Glanzvolle Interpretation: Die junge italienische Sopranistin Elisa Balbo verkörpert die Rolle der Anna. Fotos: Pfeiffer
Maometto (Mirco Palazzi) liebt Anna (Elisa Balbo), doch sie ist enttäuscht, dass er seine wahre Identität verschwiegen hat.
Maometto (Mirco Palazzi) liebt Anna (Elisa Balbo), doch sie ist enttäuscht, dass er seine wahre Identität verschwiegen hat.
18.07.2017

Opfertod einer verfolgten Unschuld: Rossinis Oper „Maometto II“

Bad Wildbad. Auch der Viel- und Schnellschreiber Gioachino Rossini hatte Schaffenskrisen. In einer solchen Phase entstand 1820 seine Oper „Maometto II“, in der er Konventionen der Gattung so kühn durchbrach, dass das Publikum der Uraufführung in Neapel dem Stück den gewohnten Triumph versagte. Bei „Rossini in Wildbad“ ist das ehrgeizige „dramma per musica“, das Rossini mehrfach überarbeitete, in der Urfassung unter der Regie von Jochen Schönleber zu sehen.

Das Werk behandelt eine Episode aus dem türkisch-venezianischen Krieg im 15. Jahrhundert. Der osmanische Sultan Mohammed II. belagert die Stadt Negroponte, deren Statthalter Erisso zähen Widerstand leistet. Dessen Tochter Anna hat zuvor bereits ahnungslos zarte Bande mit dem Gegner geknüpft. Nun erkennt sie in dem Geliebten einen Lügner und wendet sich empört von ihm ab. Maometto erobert die Stadt und stellt für ihre Verschonung einen hohen Preis: Annas Hand. Im Zwiespalt zwischen Ehre und Pflicht entscheidet sie sich für das Selbstopfer. Sie tötet sich – ein pathetisch-düsteres Finale.

Aber die Wirrnisse des Librettos werden durch die großartige Musik aufgewogen, die zwischen Leidenschaft und Emphase, Sehnsucht und Raserei, mächtigen Tableaus und intimen Momenten vermittelt. Vor allem das zentrale, enorm breit ausgelegte „Terzettone“, das furiose Finale im ersten Akt und die haarsträubend virtuosen Bravourarien geben dem dreistündigen Abend eine einzigartige musikalische Qualität.

Die grandiose Partie der Anna wurde 1820 von der legendären Rossini-Primadonna Isabella Colbran gesungen. In Wildbad wurde die junge italienische Sopranistin Elisa Balbo den außerordentlichen Anforderungen der Rolle darstellerisch und vor allem sängerisch glänzend gerecht. Ähnlich souverän absolvierte die Wildbad-erfahrene Victoria Yarovaya die empfindsame Mezzo-Arie „Non temer“ des in Anna verliebten Calbo. Mit roher Kraft seines ungefügen, in Koloraturen allzu unpräzisen Baritons stattete Mirco Palazzi den Maometto als Testosteron-Helden aus, der aber am Ende doch sensible Gesangskultur findet. Auch der türkische Tenor Merto Sungu als barscher Erisso suchte mit schartiger Stimme und unbekümmerter Intonation sein Heil zumeist in ruppiger Kraft. In zwei kleineren Rollen hinterließ der junge, vielversprechende Tenor Patrick Kabongo Mubenga einen glänzenden Eindruck.

Regisseur Schönleber versuchte im selbst geschaffenen Bühnenbild, unterstützt durch die martialischen Monturen von Claudia Möbius, den notorisch beengten Verhältnissen des Trinkhalle-Podiums einen szenischen Rahmen abzuringen, ohne das Geschehen mit überflüssigen Garnituren zu belasten. Das Orchester der Virtuosi Brunenses und der Camerata Bach Chor Poznán fanden bei herzhafter, für die Sänger nicht immer dienlicher Lautstärke nur langsam zu überzeugendem Zusammenspiel, schufen dann aber schöne Momente, die der Dirigent Antonino Fogliani nach anfänglichen Problemen der Koordination überzeugend herausarbeitete. Das Publikum zeigte sich beeindruckt.