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Die Hoffnung der Ludwigsburger Orgelbauer hat sich erfüllt – ihr Handwerk ist in die Unesco-Liste aufgenommen worden. Foto: dpa
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08.12.2017

Orgelsachverständiger Michael Kaufmann: „Auch die öffentliche Hand ist nun gefragt“

Große Freude bei den Orgelfreunden in Deutschland. Nach langem Ringen hat die Unesco den Orgelbau und die Orgelmusik in die Liste des immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Doch aus Sicht des Orgelsachverständige Michael Kaufmann ist noch viel zu tun.

PZ: Sie haben bis tief in die Nacht die Unesco-Entscheidung abgewartet. Wie groß ist das Glücksgefühl nach langem Kampf

Michael Kaufmann: Ja, um kurz nach 2 Uhr war es so weit. Es war schon beeindruckend, wie das versammelte Gremium aus Vertretern der 175 Mitgliedstaaten das Thema interessiert verfolgt hat und mit großem Beifall dem Beschluss zur Aufnahme in die repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit zugestimmt hat. Für mich selbst bedeutet der Eintrag bei der Unesco, dass ich wieder eine Zielmarke in meinem Einsatz für die Orgel erreicht habe. Hinter der Formulierung des Antrags stehen Jahrzehnte der Beschäftigung als Musikwissenschaftler, Organist und Orgelsachverständiger mit dem Instrument, seiner Geschichte und Gegenwart, seiner Technik und seines Klangs. Meine Freude war entsprechend groß, aber auch die Dankbarkeit denen gegenüber, die mich auf diesem Weg unterstützt haben, den zahlreichen Orgelspielern und Orgelbauern, die mich mit Materialien für den Antrag versorgten, und nicht zuletzt dem Stab in der Deutschen Unesco-Kommission wegen der unkomplizierten und kreativen Zusammenarbeit gegenüber. Diese menschliche Seite gehört für mich auch dazu.

Was bedeutet die Entscheidung für die Orgelszene?

Nicht nur das Tun der Kulturschaffenden ist nun von höchster ethischer Instanz bestätigt. Das bedeutet, dass entsprechende personelle und finanzielle Ressourcen für den Erhalt und die Fortschreibung des Instruments und seiner Kultur eröffnet werden müssen. Nicht nur die Kirchengemeinden, die zumeist die Eigentümer von Orgeln sind, tragen dabei Verantwortung. Es ist auch die öffentliche Hand gefragt. Sie muss zur verstärkten Förderung der Aus- und Fortbildung von Organisten und Orgelbauern sowie von konkreten Projekten beim Neubau oder bei der Restaurierung von Orgeln herangezogen werden. Dafür ist weiterhin Überzeugungsarbeit notwendig. Aber man wird auf der Basis hoffentlich leichter zu Ergebnissen kommen, um in pädagogisch-didaktische Programme und konkrete Instrumente zu investieren.

Was muss als nächstes passieren?

Das auf der Auszeichnung beruhende Potenzial muss genutzt werden. Dafür sind vor allem auch die Verbände innerhalb der Orgelszene gefragt. Die Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands, in deren Namen ich den nationalen und internationalen Unesco-Antrag formuliert habe, ist hier schon seit Jahren mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit präsent. Der Bund Deutscher Orgelbaumeister und die Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands, die beide den Antrag unterstützt haben, haben seit einiger Zeit nachgezogen und sich dieses Themas ebenfalls angenommen. Die vorhandenen Energien sollten noch stärker gebündelt werden. Insgesamt hat eine Vernetzung und ein Austausch der verschiedenen Organisationen stattgefunden – beispielsweise mit der Bundesfachschule für Orgelbau in Ludwigsburg oder mit verschiedenen Musikhochschulen. Das Thema Orgel ist in der Deutschen Bischofskonferenz und in der Evangelischen Kirche Deutschlands gegenwärtig, ebenso bei Ministerien, die für die Lehr- und Ausbildungskonzepte zuständig sind.