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Häkeln ist ganz groß in Mode bei Volker (links) und Thomas Martins im Osterfeld. Foto: Roller
Häkeln ist ganz groß in Mode bei Volker (links) und Thomas Martins im Osterfeld. Foto: Roller
Harald Pinski (Thomas Martins) und seine Höllenmaschine, die sogar Popcorn macht. Foto: Roller
Harald Pinski (Thomas Martins) und seine Höllenmaschine, die sogar Popcorn macht. Foto: Roller
Thomas Martins als Mönch mit Fußabtreter auf dem Kopf. Foto: Roller
Thomas Martins als Mönch mit Fußabtreter auf dem Kopf. Foto: Roller
28.11.2016

„Oropax“ bringt das Publikum im Osterfeld zum Lachen

Pforzheim. Es soll doch tatsächlich Künstler geben, bei denen sucht man vergebens nach einem roten Faden. Und solche, die es sogar fertigbringen, zwischendurch den Faden zu verlieren. Da können Thomas und Volker Martins nur müde lächeln. So etwas könnte ihnen im Traum nicht passieren. Die beiden Brüder haben nämlich nicht nur einen Faden im Gepäck, sondern ein ganzes Textilwarengeschäft voller Wollknäuel, gestrickter Westen, gehäkelter Teddybären und Topflappen in Übergröße. Sie nennen sich „Oropax“ und wenn sie im Kulturhaus Osterfeld zwei Stunden lang auf der Bühne gestanden sind, dann muss erst mal die Putzkolonne anrücken, um das Unheil wieder sauber zu machen, das die beiden Showveteranen mit ihrem Chaostheater dort im großen Saal angerichtet haben: Überall hängen Wollfäden, Popcorn liegt auf dem Boden und es riecht irgendwie angebrannt.

Letzteres könnte allerdings auch von dem Teebeutel herrühren, den Volker Martins gleich zu Beginn zusammen mit einem Spiegelei ins heiße Waffeleisen gepresst hat. Aber er darf das, denn er hat den „Waffelschein“ und damit auch die Lizenz, um Bier in den Mixer zu schütten, sich eine viel zu große Kochmütze auf den Kopf zu setzen und beim Ausgießen einer Thermoskanne über australischen Tee zu philosophieren, der logischerweise „Beuteltee“ heißen muss. Seit mehr als 30 Jahren sind die beiden Brüder mittlerweile im Geschäft, haben schon in ganz Deutschland gespielt, aber müde sind sie dabei nicht geworden. Im Gegenteil: In Pforzheim ziehen sie sich freiwillig kratzige Pullover an, legen einen flotten Stepptanz aufs Parkett, setzen sich Perücken, Hüte und Stirnbänder auf den Kopf, tanzen mit pinken Bändern, verkleiden sich als Mönch, Cowboy und Russe, schälen Orangen und steigen kopfüber in eine große Holzkiste voller Wolle, nur um dann zu sagen: „So, jetzt plaudere ich mal aus dem Nähkästchen.“

Das Publikum ist fassungslos, dass es überhaupt noch solche Künstler gibt. Künstler, die sich für nichts zu schade sind. Die einen Kalauer nach dem anderen von sich geben, auch wenn er noch so abgedroschen ist und denen das schlimmste Wortspiel gerade gut genug ist. Man schaut und hört ihnen zwar zu, aber man kann kaum fassen, dass sie das tatsächlich durchziehen. Dass zum Beispiel Thomas Martins nur mit einer weißen Boxershort, einem ebensolchen Schal und einer Wollmütze auf eine eilig herbeigeschaffte Leiter tritt, um dann breit grinsend zu erklären, er sei ein Spermium auf dem Weg zum Samenleiter. Das ist zwar vollkommen sinnbefreit, aber eben auch unglaublich komisch. Genauso Volker Martins, der als Hund auf allen vieren krabbelnd auf die Bühne kommt, seinen Bruder im Gesicht abschleckt und weil er angeblich Druck auf der Blase hat, das Publikum in den vorderen Reihen mit Wasser bespritzt.

Ein gefundenes Fressen

Überhaupt sind die Zuschauer an diesem Abend mittendrin statt nur dabei und nie wirklich vor den beiden Brüdern in Sicherheit. Erst recht nicht, wenn sie den Fehler machen, ein paar Minuten zu spät zu kommen. So wie Zuschauer Dennis, der ein gefundenes Fressen für die beiden Brüder ist, prompt ausgebuht wird und zur Strafe ein Wollknäuel entknoten darf.

Auf die Spitze treiben sie es, als sie am Ende eine monströse Apparatur auf die Bühne schieben, die sie mit einer Dose Mais füttern. Nach einigem Hin und Her schaltet das unheimlich wirkende Gerät ein, es rattert, und heraus kommt in hohem Bogen Popcorn geflogen. Das Publikum johlt vor Lachen, fordert eine Zugabe und wird sich bestimmt noch lange an diesen herrlich schrägen Abend mit Thomas und Volker Martins erinnern.