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Volles Haus: Zur Eröffnung der Ausstellung mit den Werken von Sebastian Seibel sind die Schmuckwelten gut gefüllt.  Foto: Tilo Keller 
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Sebastian Seibel hat die Ausstellung mit Stefanie Prießnitz auf die Beine gestellt – und mit Hilfe von Michael Buck (von links) von den Schmuckwelten.  Foto: Tilo Keller 
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Laura Hartmann, Marlene Kuemmerle, Ida-Marie Senn, Joakim Hjort Johansen und Paula Flock (von links) freuen sich über ihren Gewinn.  Foto: Tilo Keller 

PZ-Fotograf Sebastian Seibel präsentiert seine neue Ausstellung

Pforzheim. Mit Schmuck, sagt Sebastian Seibel, habe er eigentlich bisher wenig zu tun gehabt. Jetzt hat sich der PZ-Fotograf auf eine Entdeckungsreise durch Schmuckateliers und Werkstätten der Region begeben. Berührungspunkte zu den Bildern bietet der Ort der am Donnerstagabend eröffneten Foto-Ausstellung.

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Bildergalerie

Sebastian Seibel präsentiert neue Ausstellung "Schmuckmacher"

So wie in Lewis Carrols Buch Alice durch den Spiegel tritt und sich in einem Wunderland wiederfindet, so betritt der Betrachter der Fotografien in den Schmuckwelten einen Raum hinter den Schmuckstücken, die hier präsentiert werden und kann dabei vieles finden – Stimmungen, Erfahrungen von menschlicher Existenz – und sogar Einblicke in private Bereiche. „Den Blick durch das Schlüsselloch“, sagt Sebastian Seibel (42) – und er weiß um die menschliche Neugier und die Lust an solchen Blicken. Die große Geschichte hinter den vielen kleinen, die Seibel mit seinen Fotos erzählt: Es geht um die Orte der Entstehung von Schmuck und die Menschen, die dahinter stehen.

Inszenierung ist wichtig

Einige der wichtigsten Fotografien der vergangenen Jahrzehnte sind Schnappschüsse, also Fundstücke, Zufallsprodukte. Sebastian Seibel nutzt die Möglichkeiten der Fotografie in einer anderen Weise. Er geht den Weg der Annäherung über eine Inszenierung. In einer Gesellschaft, die komplett durchvisualisiert ist, ist es ein schwieriges Unterfangen, die Aufmerksamkeit auf ein Bildthema zu lenken, das einmal Abbild der Realität ist, zum anderen aber die Realität auf die ihr innewohnenden inneren Zusammenhänge zwischen Mensch und Umgebung befragt. Seibel gelingt das Unterfangen.

Er, der auf seinen Besuchen von der Schmuckdesignerin Stefanie Prießnitz begleitet wurde, die auch die Idee zu der fotografischen Reihe hatte, hat seine eigenen bildnerischen Findungsprozesse. Die Zeit, die Prießnitz für ihre Interviews benötigte – auch sie sind durch kurze Text in der Schmuckwelten-Ausstellung dokumentiert – nutzte er für das Erspüren der Atmosphäre, die er unter Verzicht auf jegliche umstellende Komposition bildhaft werden lässt. Einzig der Mensch wird von Seibel so komponiert, dass er auch aus seiner Haltung und Umgebung heraus erfahrbar wird. Die Spurensicherung der mechanischen Teile und Werkzeuge ist ein weiterer Bestandteil seiner fotografischen Arbeit, die in feinen Schwarz- und Grauabstufungen Schärfe und Unschärfe als stilbildende Elemente mit einbezieht.

Er spielt mit Perspektiven, Proportionen und Flächen – so verlieren die angestammten Erfahrungswerte ihre Distanz und gewinnen eine eigene Fabulierlust.

Kreatives Potenzial der Stadt

Verbunden mit der Eröffnung der Fotoausstellung in den Schmuckwelten war die Preisvergabe zum Jubiläums-Wettbewerb an der Goldschmiede- und Uhrmacherschule. Ausgeschrieben unter dem Thema „Zeitreise – 1767 bis heute“ stand dabei der Aspekt „250 Jahre Goldstadt Pforzheim“ im Vordergrund – die Schüler setzten sich in ihren Arbeiten mit der Traditionsindustrie auseinander und ließen neue Bezüge zu Historischem entstehen. Oberbürgermeister Gert Hager, der die zahlreichen Gäste begrüßt hatte, machte deutlich, welches kreative Potenzial in der Stadt zu Hause ist. Er betonte die Verbindung zwischen Tradition und Neugestaltung. Auch Schulleiter Michael Kiefer ging auf dieses Potenzial ein. Es sei bei der Fülle an Ideen und gelungener handwerklicher Gestaltung für die Jury schwierig gewesen, die Preisträger bei dem von Ulrich Haas organisierten Wettbewerb zu finden: „Wir haben es nicht geschafft, drei Stücke heraus zu ziehen, und sind mit zwei Sonderpreisen bei fünf gelandet“. So ging der erste Preis an Ida-Marie Senn, der zweite Preis wurde Joakim Hjort Johansen und der dritte Preis Marlene Kümmerle zugesprochen. Die beiden Sonderpreise vergab die Jury an Laura Hartmann und Paula Flock.