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Max Pechsteins „Liegender Akt“ von 1911 ist typisch für sein Schaffen der Vorkriegsjahre.  Kunstmuseum Ravensburg/dpa
Max Pechsteins „Liegender Akt“ von 1911 ist typisch für sein Schaffen der Vorkriegsjahre. Kunstmuseum Ravensburg/dpa
Bewegte Szene, ungewöhnlicher Bildschnitt: „Tanz“ aus dem Jahr 1909.
Bewegte Szene, ungewöhnlicher Bildschnitt: „Tanz“ aus dem Jahr 1909.
Selbstbildnis aus dem Jahr 1946.
Selbstbildnis aus dem Jahr 1946.
10.03.2016

PZ-Forum: Claudia Baumbusch stellt Leben und Werk Max Pechsteins vor

Seine Kunst zog ihn in die Ferne. Ins verlorene Paradies, in die vermeintlich unberührte Natur. Auf der Suche nach dem Widerhall seiner Stimmung: aufgewühlt und stürmisch, aber auch desillusioniert und sachlich nach Zeiten des Schmerzes und der Trauer. Es ist ein faszinierendes Bild des Künstlers Max Pechstein, das Claudia Baumbusch bei ihrem Vortrag im PZ-Forum zeichnet.

1881 als Sohn einer Büglerin und eines Textilarbeiters geboren, lernt Pechstein seine Kunst von der Pike auf: zuerst als Dekorateur, dann als Kunsthandwerker und schließlich als Meisterschüler an der Dresdner Kunstakademie. Symbolistische, noch im Jugendstil verhaftete Bilder entstehen, die stark an den Schweizer Malerkollegen Ferdinand Hodler erinnern. Doch dann lernt Pechstein Erich Heckel kennen, wird Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“ und reist. Der „Rompreis“ ermöglicht ihm 1907 eine dreimonatige Tour durch Italien, der neunmonatige Aufenthalt in Paris einen neuen Blick auf die Kunst. Waren seine Bilder bislang eher akademisch, so sind seine Landschaften jetzt durchzogen von wilden Farbstrudeln wie bei van Gogh, wird sein Pinselduktus impulsiv, sein Farbauftrag pastos. Er lernt die Werke von Matisse kennen, die von Braque und von Picasso, mit dem er das Geburtsjahr teilt. Und er nimmt all diese Eindrücke zurück mit nach Deutschland, wo er gemeinsam mit den „Brücke“-Kollegen an den Moritzburger Seen vorwiegend Akte in der Natur malt. Bilder voller Wucht und Energie, voll farbstrotzender Flächen, voller Ecken und Kanten, „wie sie gerade bei den Körpern und den Bewegungen der häufig dargestellten Mädchen in der Pubertät typisch sind“, sagt Baumbusch. Akte als „Inbegriff des freien Lebens ohne zivilisatorische und bürgerliche Fesseln“, so die Kunsthistorikerin, entstehen auch an der ostpreußischen Küste in Nidden.

Der Reiz der Exotik

Doch Pechstein reizt die Exotik. Sein Ziel: Palau, jene Inselgruppe in der Südsee, die er voll „naturhaft blühender Lebendigkeit“ wähnt. Dank der finanziellen Unterstützung seines Kunsthändlers Gurlitt macht er sich im April 1914 auf den Weg. Findet sein Paradies – und wird doch gleich wieder aus ihm vertrieben. Denn diese Inselgruppe Mikronesiens ist deutscher Kolonialbesitz, in dem ihn der Erste Weltkrieg einholt und zur Rückkehr zwingt. 1915 wird Pechstein eingezogen, 1916 an der Westfront stationiert, im Frühjahr 1917 vom Kriegsdienst freigestellt.

Danach der schwierige Neubeginn: „Eine Rückkehr zur Ordnung“, sagt Baumbusch. Stillleben entstehen voller Klarheit und Sensibilität, die auch seine zahlreichen Porträts kennzeichnen. Doch ab 1933 ist Schluss: Max Pechstein gilt den Nazis als „entartet“, wird mit Mal- und Ausstellungsverbot belegt, verliert seine Professur und durch den Zweiten Weltkrieg rund 40 Prozent all seiner Werke. Bis zu seinem Tod im Jahr 1955 bleibt der Expressionist seinem Stil, seinen Sujets treu: Farbenfroh und lichtdurchflutet sind seine Landschaften und Szenen.