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Gedichteschreiben leicht gemacht – mit Autorin Beate Rygiert. Foto: Klumpp
Gedichteschreiben leicht gemacht – mit Autorin Beate Rygiert. Foto: Klumpp
27.07.2018

PZ-Interview mit Beate Rygiert: „Spiel mit den Worten“

„Noch ’n Gedicht“ – so leicht wie Heinz Erhardt fließt Gereimtes oder Ungereimtes den meisten nicht aus der Feder. Denn Lyrik ist Kunst, die nur den wenigsten in die Wiege gelegt ist. Doch die Autorin Beate Rygiert ist sicher, dass auch Menschen ohne schriftstellerische Erfahrung schöne und inhaltsreiche Gedichte verfassen können.

Im Gespräch erzählt sie, warum ein Workshop in der Pforzheim Galerie den Einstieg leicht macht.

PZ: Sie geben in der Ausstellung von Axel Hertenstein einen Lyrik-Workshop. Was erwartet die Teilnehmer?

Beate Rygiert: Ein spielerischer Umgang mit Worten mit dem Ziel, Gedanken, Gefühle und Eindrücke – oder auch einfach Informationen – so genau wie möglich auf den Punkt zu bringen. Keiner, der mitmachen möchte, muss ein Dichter sein. Man muss noch nicht einmal jemals zuvor ein Gedicht geschrieben haben. Es genügen die Lust an der Sprache, am Spiel mit den Worten und die Freude, sich mit dieser komprimierten Form auseinandersetzen zu wollen.

PZ: Ist es eigentlich schwieriger, Gedichte zu schreiben als Prosa?

Beate Rygiert: Nun, um es gut zu machen ist beides gleich leicht oder gleich schwierig. Das Besondere an der Lyrik ist, dass alles Überflüssige sofort ins Auge sticht, dass man sich nicht mit vielen Worten herausschwafeln kann, sondern exakt in sich hineinfühlen und –hören muss, was genau man eigentlich ausdrücken möchte. Und das so knapp wie möglich. Das macht Spaß, und diesen Spaß an der Sprache möchte ich gern vermitteln und fördern.

PZ: Wird ein Bezug zu den Kunstwerken des Pforzheimer Künstlers hergestellt?

Beate Rygiert: Wir werden uns durchaus von Werken von Axel Hertenstein inspirieren lassen und auch von jenen Quellen, die ihn selbst inspirierten. Wichtig ist mir allerdings, jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer dort abzuholen, wo er sich sprachlich gerade befindet und was ihn oder sie interessiert.

PZ: Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit Lyrik-Workshops?

Beate Rygiert: Ich unterrichte schon lange Schreibseminare, und dabei ganz besonders gerne Lyrik-Workshops. Denn an diesen Miniaturformen kann man sehr viel über den grundsätzlichen Umgang mit Sprache vermitteln. Wer immer wieder versucht, ein Gedicht zu verfassen, lernt dabei für das Schreiben aller anderen Textgattungen, sei es nun literarische Prosa oder Berichte, Protokolle, Briefe oder Tagebuch. An Lyrik lernt man, genau zu werden. Indem man quasi jedes Wort auf die Goldwaage legt, bekommt man wieder einen viel direkteren Bezug zu dem, was Sprache ausmacht – nämlich Kommunikation.