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Berlinale-Chef Kosslick. Foto: dpa
Berlinale-Chef Kosslick. Foto: dpa
23.12.2016

PZ-Interview mit Dieter Kosslick über die Sicherheit bei der Berlinale und neue Filme

Am 9. Februar beginnen die 67. Berliner Filmfestspiele, seit Mai 2001 steht das neben Cannes und Venedig weltweit bedeutendste Festival unter der Leitung des gebürtigen Pforzheimers Dieter Kosslick (68). Mit einem Budget von 18 Millionen Euro ist die Berlinale längst zum Wirtschaftsfaktor geworden.

PZ: Welche Folgen wird der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf die Sicherheitsvorkehrungen der Berlinale haben?

Dieter Kosslick: Das Festival ist seit Jahren mit dem Thema Sicherheit konfrontiert, die vorige Berlinale fand unmittelbar nach den Anschlägen von Paris statt. Es gibt ein maßgeschneidertes Sicherheitskonzept, das in enger Zusammenarbeit mit den Behörden entwickelt wird. Unsere Maßnahmen werden dabei auch 2017 so diskret wie möglich ausfallen. Wir wollen keine Hundertschaften von Polizei aufmarschieren lassen.

PZ: Befürchten Sie Absagen von internationalen Gästen, wie sie es in Cannes gegeben hat?

Dieter Kosslick: Ich gehe nicht davon aus, dass es im großen Stil solche Absagen geben wird.

PZ: „Toni Erdmann“ von Maren Ade hat dem deutschen Kino einen grandiosen Triumph beschert. Hoffen Sie dadurch auf Rückenwind, was die internationale Aufmerksamkeit für die deutschen Festival-Beiträge betrifft?

Dieter Kosslick: Mit einem „Erdmann“-Effekt kann man rechnen. Als „Good Bye, Lenin!“ auf der Berlinale gefeiert wurde, bekamen die anderen deutschen Filme gleichfalls große Aufmerksamkeit.

PZ: Welche Themen treiben das aktuelle Weltkino um? Was wird der rote Faden der Berlinale?

Dieter Kosslick: Die Flüchtlingsfrage beschäftigt nach wie vor das internationale Kino. Migration bleibt ein großes Thema der Berlinale. Wobei es mittlerweile nicht mehr allein um Betroffenheit geht, sondern um Ursachen und Zusammenhänge. Auffallend ist, dass Filmemacher auf die Geschichte ihrer Länder blicken und fragen: Weshalb ist die Situation heute so, wie sie ist? Das geschieht aktuell in vielen Teilen der Welt, ob in Kuba, in Norwegen, in Pakistan oder Indien. Es sind filmische Reisen in die Vergangenheit.

PZ: Ist der rote Faden für ein Festival wichtiger als der rote Teppich mit Star-Auflauf?

Dieter Kosslick: Es mag viele Kino-Premieren das Jahr hindurch in Berlin geben, der rote Teppich der Berlinale ist allerdings schon etwas Besonderes. Die Atmosphäre eines Festivals sorgt für eine ganz einzigartige Stimmung. Wobei Glamour und Themen traditionell gleichermaßen wichtig sind.

PZ: Wie groß ist die Schnittmenge zwischen Berlinale-Programm und dem privaten Geschmack seines Direktors?

Dieter Kosslick: Es laufen natürlich auch Filme im Programm, die nie persönliche Lieblinge von mir sein werden. Darüber gibt es dann immer lange Diskussionen mit dem Auswahlkomitee des Festivals. Geschmack ist bekanntlich eine Geschmackssache.