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04.11.2015

PZ-Interview mit Ex-Kulturamtsleiterin Isabel Greschat über ihr neues Leben in Ulm

In ihrer fast zehnjährigen Amtszeit als Kulturamtsleiterin hat die geborene Münsteranerin Isabel Greschat das Kulturleben der Stadt Pforzheim stark geprägt. Seit diesem September leitet sie das Museum der Brotkultur in Ulm. Wie sie sich dort eingelebt hat, welche Projekte sie plant und was sie beim Gedanken an Pforzheim vermisst, erklärt sie im PZ-Interview.

PZ: Haben Sie sich in Ulm gut eingelebt?

Isabell Greschat: Ja, ich bin noch dabei. Das Landen ist zunächst mal geglückt, die Kinder sind voll und ganz in ihren Schulen und neuen Freundschaften angekommen. Hier gibt es auch neue Möglichkeiten, zum Beispiel eine Jugendfarm, wo meine Kinder einen Nachmittag in der Woche hingehen und spielen. Die Stadt gefällt mir, ich bin immer wieder überwältigt vom Münster und dem großartigen Münsterplatz. Und in „meinem“ Museum kenne ich mich inzwischen ganz gut aus.

PZ: Sie haben also schnell Wurzeln geschlagen?

Isabell Greschat: Bis ich wirklich verwurzelt bin, wird es noch dauern. Das heißt: neue Freunde finden und meine Rolle in Ulm definieren. Solange suche, beobachte und experimentiere ich noch. Das ist aber kein Mangel, sondern ein guter Zustand. Es ist noch vieles offen, das bedeutet auch Freiheit, Gestaltbarkeit.

PZ: Mit welchen Aufgaben und Projekten waren Sie bisher konkret beschäftigt?

Isabell Greschat: Mit vielem gleichzeitig. Dringlich war, das Ausstellungsprogramm für 2016 zu entwerfen, außerdem den Wirtschafts- und Investitionsplan für das kommende Jahr, das alles steht jetzt weitgehend. Daneben: Kennenlernen der Strukturen, der Sammlung, meiner Mitarbeiter, meiner Kollegen in Ulm. Ich habe begonnen, mich in das Thema Welternährung einzulesen und Kontakte dazu zu knüpfen. Viel bin ich mit Gedanken zur Neugestaltung der Dauerausstellung im Museum beschäftigt; den roten Faden möchte ich gern Anfang 2016 gezogen haben. Dazu werde ich im Dezember und Januar noch einen Workshop mit Fachleuten machen. Also, vieles findet erst mal im Kopf statt, und da flute ich mich jetzt mit Informationen, die nach und nach verarbeitet werden.

PZ: Das Museum der Brotkultur hat eine beeindruckende Sammlung von rund 18 000 Objekten – Haben Sie sich da schon einen Überblick verschafft? Was sind die Höhepunkte?

Isabell Greschat: Höhepunkte sind kultur- und religionsgeschichtlich interessante altägyptische und präkolumbianische Grabbeigaben; dann Bilder von Pieter Breughel und Rembrandt, wunderbare Stillleben von Georg Flegel und Sebastian Stoskopff; und Kunstwerke der Moderne, zum Beispiel von Marc Chagall, Käthe Kollwitz, Man Ray und Markus Lüpertz. Mein momentanes Lieblingswerk ist eine Skulptur von Salvador Dalí, in der der gesamte Surrealismus drinsteckt – Erotik, Fantasien, Kulturkritik und Morbidität.

PZ: Das hört sich nach genug Material für die nächsten Ausstellungen an.

Isabell Greschat: Was die Wechselausstellungen angeht, so habe ich zahlreiche Ideen – für mindestens zehn Ausstellungen. Ich gehe meistens von der Sammlung aus, möchte auf jeden Fall aber auch mit Leihgaben arbeiten. Ein größeres Projekt ist eine Ausstellungsreihe zu den vier Elementen, beginnend 2016 mit Wasser. Wasser ist ein absolutes Megathema im Blick auf das Ressourcenproblem, hat aber auch zahlreiche Künstler zu großen Kunstwerken inspiriert. Wir werden hier eine Ausstellung machen, die Wissen und künstlerische Positionen miteinander verbindet. Danach wird es eine kulturwissenschaftliche Schau zum Thema Grabbeigaben geben. Mehr kann ich noch nicht verraten.

PZ: Wenn Sie an Pforzheim zurückdenken – was vermissen Sie?

Isabell Greschat: Natürlich Menschen, Freunde und Kollegen, bekannte Gesichter im Publikum. Die Hochschule mit ihren kreativen Motoren. Manchmal die Sonne. Denn hier ist es nebliger. Und tatsächlich manchmal die „Familie“ Rathaus, da wusste man, mit wem man lustvoll bruddeln oder verrückte Ideen spinnen oder über Absurdes lachen konnte. Und noch etwas: die Präsenz der Kultur in der Zeitung, die haben wir hier so nicht.