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Christoph Lieben-Seutter. Foto: Reinhardt
Christoph Lieben-Seutter. Foto: Reinhardt
11.01.2018

PZ-Interview mit Intendant der Elbphilharmonie: „Glücksgefühle“

An den Spitznamen „Elphi“ kann sich Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter immer noch nicht gewöhnen. Aber ansonsten ist der gebürtige Wiener mit „seinem“ Konzerthaus rundum zufrieden. Ein PZ-Interview mit Christoph Lieben-Seutter, Intendant der Elbphilharmonie.

PZ: Seit einem Jahr begeistert die Elbphilharmonie die Besucher. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die erste Saison im neuen Konzerthaus zurück?

Christoph Lieben-Seutter: Durchaus mit Glücksgefühlen. Besser hätte es nicht laufen können. Das war für alle Beteiligten eine einmalige Zeit. Dass ein Haus so schnell von Null auf Hundert fährt, so schnell weltweit Anerkennung findet, so schnell Rekorde bricht, und vor allem Besucher wie Künstler so begeistert, dass auch alle wiederkommen wollen – das wird sich nicht so schnell wiederholen.

Was macht die Faszination der Elbphilharmonie aus?

Ich glaube, es ist das Gesamtpaket aus genialem architektonischen Entwurf, dem gelungenen Innenausbau, dem symbolischen Standort mitten in der Elbe zwischen Hafen und Stadt, der grandiosen Aussicht und zwei hervorragenden Konzertsälen mit einer tollen Akustik und einem guten Programm.

Kann denn die Akustik mit der Architektur mithalten?

Ja, unbedingt. Die Akustik der Säle ist top, gar keine Frage. Der große Saal ist ein besonderer Fall, ein Präzisionsinstrument, an das sich manche Dirigenten und Orchester erst gewöhnen müssen. Aber wir haben mittlerweile in jedem Repertoire genügend hervorragend klingende Konzerte erlebt, so dass man sagen kann: einer der spannendsten Säle der Welt.

Es ist aber auch eine Tatsache, dass man im großen Saal alles hört. Das spiegelt die Qualität des jeweiligen Orchesters wider. Sehen Sie das auch so?

Dass man alles hört, ist fantastisch. Weil man viele Meisterwerke so erfassen kann, wie es in anderen Sälen überhaupt nicht möglich ist. Die Kehrseite ist, dass man auch genau hört, wenn nicht so toll gespielt wird.

Die Nachfrage nach Karten war überwältigend. Viele Menschen waren verärgert, weil sie leer ausgingen. Ist das immer noch so?

Ja, die Nachfrage ist noch immer so hoch. Es stimmt zwar nicht, dass die Elbphilharmonie auf Jahre ausverkauft ist, denn es kommen laufend neue Konzerte dazu. Bei den allermeisten Konzerten ist es allerdings immer noch so, dass sie in kürzester Zeit ausverkauft sind. Optimal ist das nicht, denn wir wollen ja niemanden verärgern. Ich möchte wirklich, dass jeder die Chance hat, ein Konzert seiner Wahl zu erleben.

Glauben Sie, dass die Elbphilharmonie die Klassikszene in ganz Deutschland beflügelt hat?

Das scheint so zu sein. Sie hat weit über Hamburg hinaus Wellen geschlagen, weit über Deutschland hinaus. Viele Kollegen von anderen Konzerthäusern berichten, dass die Elbphilharmonie ein großes Thema ist – bei den Künstlern und beim Publikum. Ich glaube aber auch, dass die Zeit gerade gut für die Kunst ist. Es ist eine Phase der Unsicherheit, dafür ist Kunst ja auch da, um Antworten zu geben und die Menschen auf andere Gedanken zu bringen.