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An der Seite von Tom Hanks spielt Meryl Streep im Kino die Verleger-Ikone Katharine Graham. Foto: Tavernise/Universal Pictures
An der Seite von Tom Hanks spielt Meryl Streep im Kino die Verleger-Ikone Katharine Graham. Foto: Tavernise/Universal Pictures
01.03.2018

PZ-Interview mit Meryl Streep über Feminismus und ihren aktuellen Film „Die Verlegerin“

Meryl Streep (68) ist für das Journalismus-Drama „Die Verlegerin“ zum 21. Mal für einen Oscar nominiert – absoluter Rekord und beinahe doppelt so erfolgreich wie Katharine Hepburn und Jack Nicholson mit je zwölf Nominierungen auf Rang zwei. Hollywood schätzt Streep auch für ihre kämpferischen Reden und den unermüdlichen Einsatz für Frauenrechte. Im Interview erzählt sie, weshalb ihr die aktuelle Diskussion um Missbrauch in Hollywood Hoffnung macht und wieso ihrer Meinung nach so viele Frauen für Donald Trump gestimmt haben.

PZ: Der Film spielt in den 1970er-Jahren und handelt von einem besonderen Moment für Frauen in der Geschichte. Finden Sie, das waren erfolgreiche Jahre für Frauen und der Beginn einer Bewegung?

Meryl Streep: Jetzt gerade jedenfalls tut sich etwas, auch wenn es selbst hier an diesem Tisch zu wenige von uns gibt. Hier sind acht Männer und drei Frauen, und das ist heutzutage häufig ungefähr das Verhältnis. Vor 45 Jahren, als ich 1971 das College beendet habe, da hätte es gar keine Frauen hier gegeben.

Wie war das für Sie persönlich: Gab es in Ihrer Karriere einen Moment, bei dem Sie es satt hatten, die Geliebte zu spielen und Sie sich vorgenommen haben, nicht mehr das Oberteil ausziehen zu wollen?

Nun, es macht doch Spaß, Leuten zuzusehen, wie sie ihre Oberteile ausziehen, das wird nicht aufhören, warum sollte es? Es geht doch darum, wer entscheidet, was wir in Filmen sehen. In den USA gibt es zehn wichtige Einkäufer im Filmvertrieb für die verschiedenen Regionen – und das sind alles Männer. Das zeigt Ihnen doch sofort, welche Art von Filmen in jedem Einkaufszentrum Amerikas laufen. Unsere Kultur wird von den Männern an der Spitze bestimmt. Wenn der Vorstand der Weinstein-Company zur Hälfte mit Frauen besetzt wäre, dann wäre nichts von alldem passiert. Bei der ersten Gelegenheit, bei der eine außergerichtliche Einigung gezahlt wurde, hätte jemand gefragt, wofür das Geld ist und entschieden, dass das nicht weiter gezahlt wird. Die ganze Welt wird sich verändern, wenn wir Gleichberechtigung haben und wir Partnerschaftlichkeit erleben. Es geht nicht darum, jemanden zu ersetzen, es geht darum, zu teilen.

Sie spielen in „Die Verlegerin“ erstmals mit Tom Hanks. Warum hat das so lange gedauert?

Ich glaube, wir haben noch nie zusammen gearbeitet, weil ich zu alt für ihn bin. Er ist sieben Jahre jünger als ich, ich bin deutlich zu alt für ihn. Das passiert in Drehbüchern nicht, er braucht Frauen, die zwanzig, fünfundzwanzig Jahre jünger sind. Ich wurde mit Männern besetzt, die zwanzig, fünfundzwanzig Jahre älter sind. Auch das liegt daran, wer über die Rollen entscheidet.

Wenn wir darüber reden, wie Männer bestimmen, welche Filme gemacht werden – was ist mit der Politik? Denken wir daran, wie herablassend US-Interviewer Matt Lauer mit Hillary Clinton gesprochen hat und später herauskam, dass er auch Frauen sexuell belästigt hat.

Genau das gleiche. Wir erleben eine Abrechnung, und die ist großartig, es ist aufregend. Für mich als Feministin erleben wir gerade den optimistischsten Moment in vierzig Jahren – mit dem Preis einiger sehr zerstörter Frauenleben. Unsere aktuelle Debatte wird etwas verändern, ich fühle das.

Wie erklären Sie es sich, dass eine Mehrheit weißer Frauen für Donald Trump gestimmt hat?

Weil die gesamte Diskussion darüber, wer etwas entscheidet – wer die Regierung führt, wer einen Firmenvorstand anführt, wer eine Zeitung leitet oder einen TV-Sender –, miteinander verbunden ist. Im Kino hat die Marktforschung festgestellt, dass am Ende die Frauen entscheiden, welche Filme geschaut werden. Aber sie suchen beim Date den Film aus, von dem sie glauben, dass er dem Mann gefällt. Es ist, wie wenn ich ein Abendessen nicht danach koche, was ich essen will, sondern wenn ich das koche, was die Leute mögen, die an meinem Tisch sitzen. Frauen lassen anderen den Vortritt. Sie überlegen, was gut für die Beziehung oder für die Gruppe ist.