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Überraschungsauftritt: James Hetfield stellt mit Metallica in der ProSieben-Show „Circus Halligalli“ das neue Album „Hardwired ... To Self-Destruct“ vor. Foto: Carstensen
Überraschungsauftritt: James Hetfield stellt mit Metallica in der ProSieben-Show „Circus Halligalli“ das neue Album „Hardwired ... To Self-Destruct“ vor. Foto: Carstensen
16.11.2016

PZ-Interview mit Metallica-Sänger James Hetfield: „Ruhm kann eine gefährliche Droge sein“

Das neue Metallica-Album zeigt: Die Superstars sind noch lange nicht satt. Sänger James Hetfield verarbeitet in den Texten auch seine dunkle Seite, wie er im Interview erzählt.

PZ: Acht Jahre mussten die Metallica-Fans auf das neue Album „Hardwired ... To Self-Destruct“ warten – so lange wie noch nie. Warum hat es so lange gedauert?

James Hetfield: Wir hatten sehr viel Wäsche auf den vergangenen Tourneen zu waschen (lacht). Nein im Ernst: Die Zeit ist wirklich etwas lang geworden. Das hätte eigentlich nicht sein müssen, auch wenn wir viel um die Ohren hatten.

PZ: Auf dem neuen Album sind einige ziemlich schnelle und harte Stücke wie aus früheren Zeiten. Wie kommt’s?

Ich kann nicht erklären, warum die Platte so klingt, wie sie klingt. Für Außenstehende ist es einfacher, die einzelnen Songs in Kategorien einzuordnen. Eins kann ich aber sagen: Innerhalb dieser acht Jahre habe ich fast vergessen, wie toll es ist, Musik zu kreieren, die von anderen Menschen gehört wird.

PZ: Will die Band den Kritikern beweisen, dass sie immer noch Songs schreiben kann, die richtig abgehen?

Wir wollen Musik machen, auf die wir stolz sind. Ob es die Leute mögen oder nicht – das können wir nicht kontrollieren.

PZ: Ihre Texte sind ziemlich düster. Sie verwenden häufig Wörter wie Verzweiflung, Schmerz, Dunkelheit, Leid. Müssen sich die Metallica-Fans Sorgen um Sie machen?

Diese Dinge sind Teil meiner Geschichte. Ich glaube aber nicht, dass sich irgendjemand Sorgen um mich machen muss. Sie sprechen von Dunkelheit, für mich ist es Licht. Wenn ich über die Dunkelheit schreibe, kann ich sie mit anderen teilen und besser damit umgehen. Ich fühle mich gut dabei, wenn ich über diese dunkle Seite von mir singen und sie rauslassen kann. Es ist besser, als wenn sie in meinem Inneren arbeitet.

PZ: Im Song „Moth Into Flame“ scheint es um die negative Seite des Ruhms zu gehen?

Das sehen Sie richtig. Ruhm kann eine dunkle, gefährliche Droge sein. Viele Menschen jagen ihr hinterher.

PZ: Waren oder sind Sie süchtig danach, berühmt zu sein?

Ich habe das gespürt, ja. Seit ich mit 19 Jahren angefangen habe, in der Band zu spielen, hat mich das verfolgt. Es verändert total deine Sicht auf die Welt. Ich konnte als der berühmte Sänger von Metallica nicht mehr im Gras sitzen und Konzerte genießen. Der Film über Amy Winehouse hat mich zu dem Song inspiriert. Es ist ein trauriger Film. Ihr künstlerisches Können war ein solches Geschenk. Doch sie hat es verloren, weil sie von allen Seiten manipuliert worden ist und mit ihrer Berühmtheit nicht umgehen konnte.

PZ: Wie sehr hat Ihnen Ihre Familie dabei geholfen, diese Droge kontrollieren zu können?

Wenn ich von einer Tour nach Hause komme, werde ich umgewandelt. Ich werde dann daran erinnert, dass ich ein normaler Familienvater von drei Kindern bin.

PZ: Früher war die Band Ihre Familie.

Stimmt, Lars und ich haben uns mit 19 kennengelernt. Jetzt bin ich 53. Wir sind zusammen erwachsen geworden. Wir haben zusammen die Hölle ausgehalten. Wir haben aber auch unglaublich viele tolle Sachen zusammen erlebt.

PZ: Und sie haben sich beide sehr viel gestritten, wie man im Film „Some Kind Of Monster“ sehen konnte. Bereuen Sie es, dass in diesem Film die innere Zerrissenheit und die Probleme der Band der Öffentlichkeit so deutlich präsentiert worden sind?

Nein. Zur Zeit des Films aber schon. Da wusste ich nicht, was mit mir und der Band los war. Und jemand hat das auch noch gefilmt. Das war schrecklich. Doch wir mussten da durch. Und der Film hat uns im Rückblick dabei geholfen.

Video 1: Atlas, Rise!

Video 2: Moth Into Flame

Video 3: Hardwired