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Paul Taube blickt gerne zurück auf seine Zeit im Kupferdächle. Foto: Ketterl
Paul Taube blickt gerne zurück auf seine Zeit im Kupferdächle. Foto: Ketterl
31.03.2017

PZ-Interview mit Paul Taube: Vom Kupferdächle in die Remchinger Kulturhalle

Seit 2001 ist er in Sachen Jugendkultur unterwegs, hat als Musikpädagoge und Leiter das Kupferdächle in Pforzheim entscheidend geprägt. Nun ist Paul Taube 40 geworden – und macht sich auf zu neuen Ufern.

PZ: Was hat sich in den Jahren Ihrer Tätigkeit im Kupferdächle verändert?

Paul Taube: Unglaublich viel. In der Jugendkultur verändert sich alle vier Jahre sowieso alles. Insofern ist das Kupferdächle heute ein ganz anderes als vor 15 Jahren. Optisch – aber auch inhaltlich.

Was war denn vor 15 Jahren wichtig?

Da hatte die Livemusik einen ganz anderen Stellenwert als heute. Man musste nur ankündigen: Am Samstag ist ein Rockkonzert. Und es war immer voll. Es gab sicher weniger Alternativen, und die Interessen der Jugendlichen haben sich im Laufe der Zeit gewandelt.

Und was wird heute am stärksten nachgefragt?

Jetzt muss man vieles kombinieren. Jugendliche wollen sich treffen – und das wollen wir mit einer kulturellen Geschichte verbinden. Es gelingt uns gerade gut mit unserer neuen Reihe „Happy Hauer“. Jeden Freitag ab 18 Uhr gibt es im Café den Möglichkeit, sich zu treffen und etwas zu erleben, seien es Auftritte von Bands, Karaoke oder Poetry Slam.

Ist es schwierig, das Café im Kupferdächle wieder professionell zu betreiben?

Das ist unmöglich. Durch das Landesrauchergesetz ist es für private Pächter nicht mehr attraktiv, so kleine Cafés selbst zu betreiben. Wir haben das eingesehen, es ist okay für uns und wir betreiben es jetzt selbst. Gerade durch die „Happy-Hauer-Abende versuchen wir, das Café auch inhaltlich stärker ins Haus einzubinden.

Wie haben sich neue Musik-Reihen wie „Pforzelona“ entwickelt?

Wir haben festgestellt, dass beispielsweise ein Newcomer-Konzert – drei Bands spielen und es kommen 120 Leute – fast gar nicht mehr funktioniert. Unsere Besucher haben schon ein kulturelles Interesse, aber viele setzen auf einzelne Höhepunkte. Deshalb funktionieren auch große Festivals, obwohl die Eintrittskarten manchmal mehrere hundert Euro kosten. Wir haben uns entschlossen, unsere Konzerte zu bündeln. „Pforzelona“ hat sich angeboten, weil wir das Kupferdächle als Teil von Pforzheim begreifen. Und das läuft ziemlich gut.

Wer kommt hauptsächlich ins Kupferdächle?

Wir sind per Satzung für die Zwölf- bis 27-Jährigen zuständig. Im Kern sind aber die 16- bis 19-Jährigen prägend. Ob bei Musik, Medien oder Theater – das zieht sich durch alle Angebote.

Was wird am meisten nachgefragt?

Theater läuft gerade sehr gut. Da kommen wir bei der Nachfrage kaum hinterher. Was sich auch sehr gut entwickelt hat, ist unsere Comic-Gruppe. Da stellt man sich vor, es kommen zehn Jugendliche, die angestrengt am Zeichnen sind. Aber das Gegenteil ist der Fall: Da wird geredet, agiert, gelacht. Und dann kommen wirklich gute Dinge dabei heraus, wie die aktuelle Comic-Ausstellung.

Warum gibt es eigentlich immer weniger neue lokale Bands?

Das ist ein gesellschaftliches Phänomen: Die Fokussierung auf das Ego ist überall zu beobachten. Man ist weniger bereit, sich in einer Gruppe zu engagieren. Das sieht man bei der Musik an den unseligen Casting-Shows. Da steht keine Band, sondern nur der Einzelkünstler im Vordergrund. Das sehen Jugendliche – und daran orientieren sie sich. Früher war es cool, wenn man sagen konnt: Ich bin Gitarrist in einer Band. Das haut heute keinen mehr vom Hocker. Wenn man heute sagt: Ich war bei DSDS, hat man einen hohen Coolness-Faktor.

Das hat dann auch Auswirkungen auf Wettbewerbe, wie den Nordschwarzwald Music Contest?

Ja, die funktionieren nicht mehr. Es ist einfach der Zeitgeist, dass Musizieren in der Gruppe nicht mehr den gleichen Stellenwert hat wie vor 15 Jahren.

Und wie ist es mit der „School Of Rock“-Reihe?

Die Reihe wird hoffenlicht weitergehen. Mein Nachfolger als Musikpädagoge, Matthias Scherer, hat „School Of Rock“ in Mannheim gemacht. Ich gehe davon aus, dass er das hier fortführen wird. Ich finde es nach wie vor wichtig, Jugendlichen die Möglichkeit an die Hand zu geben und aufzuzeigen: Hey, Musik macht auch in der Gruppe Spaß. Und ich merke an meinen Bandprojekten, dass alle, die mitmachen, auch Freude daran haben. Und dann merken alle: Musik kommt nicht von Youtube, die kann man selbst machen.

Wie kann sich das Kupferdächle weiterentwickeln?

Das Kupferdächle hat den vergangenen 15 Jahren immer gezeigt, dass es sehr wandlungsfähig ist und schnell darauf reagieren kann, was gefragt wird. Wir sind sehr offen, wenn von außen Dinge an uns herangetragen werden. Im Kern wird das Kupferdächle immer versuchen, mit Jugendlichen kulturell zu arbeiten und ihren zu zeigen, wozu Kultur gut ist und ihnen kulturelle Fertigkeiten mitzugeben. Auf welche Art? Das wird sich stetig ändern.

Warum verlassen Sie das Kupferdächle?

Ich bin wahnsinnig zufrieden mit meiner Arbeit hier und habe sie sehr gerne gemacht. Aber es gibt zwei Gründe. Zum einen der Wunsch nach Veränderung. Ich möchte gerne etwas Neues machen. Und der zweite: Ich bin im vergangenen Jahr 40 geworden, die Jugendlichen bleiben aber immer gleichalt. Ich merke, dass der Unterschied sich vergrößert. Ich habe hier mit 23 Jahren angefangen, da haben sie mich als Ihresgleichen wahrgenommen. Und jetzt fällt es schon vielen schwer, mich zu duzen. Da merke ich: Ich sollte Erwachsenen-Kultur machen.

Was wünschen Sie sich als neuer Chef der Kulturhalle Remchingen?

Ich habe noch keine so ganz klaren Vorstellungen und bin gespannt darauf, das Team und die Arbeit dort kennenzulernen. Ich habe das Glück, dass mein Vorgänger Roland Haag noch zwei Monate parallel mit mir arbeitet, weil ich viel von ihm lernen kann. Ich hoffe, dass ich neue Arbeitsimpulse bekomme und mich kreativ entfalten kann. Gerade auch als passionierter Theatermensch.

Welche Erfahrungen können Sie in Remchingen einfließen lassen?

Ich war als Leiter des Kupferdächle stark mit den Veranstaltungen und Vermietungen befasst. Das kann ich sicher gut einbringen. Ich habe das Festival „Easy am Hang“ fünf Jahre lang begleitet, bin zum zweiten Mal beim „Unterholz“-Festival als Veranstaltungsleiter dabei. Und ich habe als Musiker an verschiedenen Produktionen unter anderem im Theater Pforzheim und im Kammertheater Karlsruhe mitgewirkt – das gehört auch zu meiner Bandbreite.