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Coole Truppe: Am dänischen Hof geht es locker zu. Ensembleszene aus der „Hamlet“-Produktion des Theaters.  Haymann
Coole Truppe: Am dänischen Hof geht es locker zu. Ensembleszene aus der „Hamlet“-Produktion des Theaters. Haymann
Alexander May
Alexander May
Caroline Stolz
Caroline Stolz
19.02.2016

PZ-Interview mit Regisseuren Alexander May und Caroline Stolz: Pforzheimer Theater zeigt „Hamlet“

Die Geschichte um den dänischen Prinzen Hamlet erzählt das Theater Pforzheim auf besondere Weise: einerseits aus der Sicht Shakespeares, der mit seiner ganz eigenen Wortgewalt die Tragödie schildert, andererseits im humorvollen Kon-trast mit Tom Stoppards Stück „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“, das die beiden Jugendfreunde Hamlets ins Zentrum des Interesses rückt.

PZ: Nach 35 Jahren gibt es wieder „Hamlet“ in Pforzheim. Was für ein Typ ist Ihre Titelfigur?

Alexander May: Ich werde mit meiner Inszenierung einen Protagonisten zeigen, der sich in einem unberechenbaren Spiel um die Macht behaupten muss und von persönlicher Rache getrieben wird. Das ist eine atemlose Geschichte, ein brisanter Politkrimi, der spannend ist vom ersten Moment bis zum apokalyptisch anmutenden Finale. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der eigentlich alle an einem Strang ziehen und Synergien herstellen sollten, um gerecht und erfolgreich zu sein, die aber vielmehr ein Minenfeld ist. Jeder kämpft für sich allein. Und selbst Hamlet, der rechtmäßige Erbe des Thrones, sabotiert die neue Regierung, wo er nur kann und konzentriert sich weniger auf die Herstellung einer Ordnung, sondern vielmehr auf seinen persönlichen Rachefeldzug.

PZ: Wie gerät in Ihrer Inszenierung „die Welt aus den Fugen“?

Alexander May: Buchstäblich auf den Brettern, die die Welt bedeuten, weil wir uns beim Bühnenbild-Konzept an der Shakespear’schen Zeit orientiert haben. Unser Originalboden ist belegt mit einem maroden Bühnenbild, das die brüchige Welt der Handlung widerspiegelt. Spätestens nach dem Mord Hamlets an Polonius löst sich diese Bretterwelt langsam auf.

PZ: Warum gibt es dieses Thema gleich im Doppelpack durch die Kombination mit „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“ im Podium?

Alexander May: Wir fanden es sehr reizvoll, die gleiche Besetzung, die gleichen Kostüme und das gleiche Bühnenkonzept für zwei verschiedene Stücke und zwei unterschiedlichen Regiehandschriften zu benutzen. Man erlebt im „Hamlet“, wie die Hauptfiguren ihre Geschichte erzählen und ihre Tragödie sich abspielt. Parallel durchleben im Podium die Nebenfiguren einen absurden Albtraum, eine sehr komische Farce. Und die Hauptfiguren im „Hamlet“ sind dann die Nebenfiguren in „Rosenkranz und Güldenstern“.

PZ: Warum rücken Rosenkranz und Güldenstern in den Fokus?

Caroline Stolz: Wie schon der Titel verrät, handelt es sich bei „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“ von Stoppard um die Hauptfiguren, aus deren Sicht Shakespeares „Hamlet“ erzählt und reflektiert wird. Bei Shakespeares „Hamlet“ hingegen kommt es auf das Innenleben und den Charakter dieser beiden nicht an. Mit der Gegenüberstellung beider Inszenierungen erwartet das Publikum eine abwechslungsreiche Aufführungsserie – mit ebenso substanziellem Blick auf die Dinge wie mit humorvollem Augenzwinkern.

PZ: Und worin steckt das Komödiantische dieses Stücks?

Caroline Stolz: Das Komödiantische liegt in dem Umgang der Figuren Rosenkranz und Güldenstern mit den Figuren und Situationen aus dem Stück „Hamlet“ sowie in deren Überforderung und Nichtverstehen des Inhalts. Rosenkranz und Güldenstern kennzeichnet eine durchaus sympathische Naivität und die Gabe, alle Geschehnisse immer neu und frisch zu betrachten. Das stetige Bemühen um die Richtigkeit ihrer Taten, gewürzt mit einer Prise Unbeholfenheit, sorgen unter anderem für Komik.