nach oben
Sängerin Shelly Bonet ist mit ihrem Album auf Deutschlandtour.  ag
Sängerin Shelly Bonet ist mit ihrem Album auf Deutschlandtour. ag
11.03.2016

PZ-Interview mit Shelly Bonet: „Ich bin ein musikalischer Nomade“

Im Enzauenpark brachte sie Tausende von Menschen zum Jubeln, bezauberte mit ihrer ungewöhnlichen Stimme und ihrer sympathischen Art. Heute, 20 Jahre später, ist Shelly Bonet gereift, ist ihre Musik tiefgründiger, subtiler geworden. Doch eines bleibt: Die quirlige, kaum über ein Meter fünfzig große Amerikanerin ist ansteckend fröhlich und eindrucksvoll gut bei Stimme.

Zurzeit ist sie mit ihrem Album auf Deutschlandtour – mit Stopp in Pforzheim bei den alten Freunden der Band Cover Up und im Cellarium in Knittlingen. Gelegenheit also, mal nachzufragen, was sich bei Shelly Bonet in 20 Jahren so getan hat.

PZ: Wo waren Sie denn in den vergangenen Jahren?

Shelly Bonet: Überwiegend in meiner Heimat USA. Ich bin 1999 aus Deutschland zurückgekehrt, und mein Sohn Michael kam auf die Welt. Als er zwei Jahre alt war, habe ich wieder angefangen zu singen – in ganz unterschiedlichen Bands. Ich hatte immer mal wieder Kontakte zu Plattenfirmen in Europa, aber es kam kein neues Album zustande. Dann zog ich nach Muscle Shoals in Alabama mit dem berühmten Studio, wo schon die Rolling Stones und Bob Dylan aufnahmen. Dort habe ich mit vielen tollen Musikern gearbeitet. Dann ging es eine Zeit lang nach New York. Ich bin ein musikalischer Nomade, wechsle von Projekt zu Projekt, bin immer irgendwo auf der Bühne. Ich war beispielsweise als Special Guest mit dem ehemaligen Jethro Tull Gitarristen Martin Barre auf Tour.

PZ: Und was bringt Sie jetzt nach Deutschland?

Shelly Bonet: Vor zwei Jahren kam ein Anruf eines Plattenlabels, ob ich ein Album produzieren wolle. Ich flog nach München, wo die Verantwortlichen mir vorschlugen, mit Steve Lyon zusammenzuarbeiten, der schon Paul McCartney, Reamonn und Depeche Mode produziert hatte. Steve fragte mich, was ich machen will und ließ mir viel Freiheit. Ich stellte meine Band zusammen, wir probten in Muscle Shoals, nahmen dann die CD auf. Es kamen noch weitere Musiker dazu, das hat alles gut zusammengepasst. Ich bin sehr stolz auf dieses Album – ich habe schließlich ziemlich lange darauf gewartet.

PZ: Von wem stammen die Songs auf „Love in a Dangerous World“?

Shelly Bonet: Es war eine Art Kompromiss. Das Label hatte Songs, die ich singen sollte, und dazu kamen meine eigenen Lieder. Es war wichtig, dass die Songs eine Bedeutung für mich haben, dass ich sie mit meinem Publikum teilen kann.

PZ: Welche Art Musik ist zu hören?

Shelly Bonet: Es ist eine sehr homogene Mischung: Wir haben Songs mit rein akustischer Begleitung, einige sehr gradlinige Rock-Songs, einige mit Südstaaten-Wurzeln. Dieses Album fasst alle meine musikalischen Einflüsse zusammen.

PZ: Und wie fühlt es sich an, wieder in Pforzheim zu sein?

Shelly Bonet: Es war, als ob ich nach Hause kommen würde. Ich habe hier so viele gute Freunde wieder getroffen. Und es ist, als ob wir uns erst gestern getrennt hätten. Es war fantastisch. Gerade auch das Konzert in Knittlingen – ich wurde danach so oft umarmt von Menschen, die sich nach 20 Jahren noch an mich erinnern.