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Dieter Kosslick fiebert dem Berlinale-Start in einer Woche entgegen. Auch gegen die Kälte weiß er sich zu wappnen. Foto: Kalaene
Dieter Kosslick fiebert dem Berlinale-Start in einer Woche entgegen. Auch gegen die Kälte weiß er sich zu wappnen. Foto: Kalaene
04.02.2016

PZ-Interview mit dem Berlinale-Direktor Dieter Kosslick über die Wettbewerbsfilme, die letzten Karten und die Kälte in Berlin

Premiere bei der Berlinale: Zum ersten Mal ist Hollywoodstar Meryl Streep Chefin einer Festivaljury. Der Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin und gebürtige Pforzheimer, Dieter Kosslick, erzählt, wie es dazu kam.

PZ: Wie haben Sie es geschafft, Hollywoodstar Meryl Streep als Jurypräsidentin zu gewinnen?

Dieter Kosslick: Das habe weniger ich geschafft als das Publikum. Das Publikum hat Meryl Streep bei der Verleihung des Goldenen Ehrenbären vor zwei Jahren einen Orkan der Begeisterung entgegengebracht. Als sie mir sagte, dass sie gerne auch mal länger in Berlin wäre, reagierte ich prompt: „Großartig, da gibt es doch Möglichkeiten.“ Die Juryarbeit ist natürlich hart, die Juroren müssen 18 Filme in 10 Tagen sehen, sich zu Diskussionen zusammensetzen, Protokolltermine wahrnehmen, Interviews machen und am Ende entscheiden. Aber siehe da: Meryl Streep sagte „Ja“ – obwohl sie noch nie zuvor Präsidentin einer Festivaljury war.

PZ: Wie spiegelt sich unsere Gegenwart mit den vielen Flüchtlingsschicksalen in den Wettbewerbsfilmen?

Dieter Kosslick: Am deutlichsten zeigt es der Dokumentarfilm „Fuocoammare“ (engl. Titel „Fire at Sea“) von Gianfranco Rosi. Der italienische Regisseur lebte mehrere Jahre auf Lampedusa, um diesen Film zu drehen. Lampedusa kennen wir aus den Medien als Schauplatz grausamer Unglücke von gekenterten Booten mit Flüchtlingen. In einer Mischung aus Dokumentation und inszenierten Szenen erzählt Rosi von dem dramatischen Flüchtlingselend und parallel dazu von einem kleinen Jungen, der auf Lampedusa lebt.

PZ: Welche Themen interessieren die Filmemacher noch bei dieser Berlinale, die am Donnerstag, 11. Februar, beginnt?

Dieter Kosslick: Die französischen Filme im Wettbewerbsprogramm zum Beispiel sind intelligente Unterhaltungsfilme. „Saint Amour“ mit Gérard Depardieu und „Des nouvelles de la planète Mars“ (Neuigkeiten vom Planeten Mars) von Dominik Moll sind Komödien, bei denen man auch als „ernsthafter“ Berlinale-Besucher lachen kann. Die Filme sind mitten im Leben. Wie Spike Lees „Chi-Raq“, ein eindrucksvolles Porträt der schwarzen Community in Chicago. Verpackt in eine riesige revueartige Geschichte, erzählt Lee eine Variante der pazifistischen griechischen Komödie Lysistrata – inklusive Sexstreik.

PZ: Warum hat es mit „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached nur ein Film eines deutschen Regisseurs, beziehungsweise in diesem Fall einer deutschen Regisseurin in den Bären-Wettbewerb geschafft? Die beiden anderen Filme sind ja deutsche Koproduktionen.

Dieter Kosslick: Mit „Alone in Berlin“ , „Soy Nero“ und „24 Wochen“ sind insgesamt drei deutsche Produktionen im Wettbewerb. Nicolette Krebitz‘ Film „Wild“ war schon beim Sundance Film Festival gebucht. Wir hätten gerne noch Tom Tykwers „Ein Hologramm für den König“ für den Wettbewerb gehabt, aber das hat nicht funktioniert. Wir haben aber über 70 deutsche Filme im Programm. Wenn man die Retrospektive mitzählt, dann sind es fast doppelt so viele. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um die Zukunft des deutschen Films. Wenn man zum Beispiel die Filmemacher in der Sektion Perspektive Deutsches Kino anschaut, da gibt es grandiose Talente.

PZ: Haben Sie einen Tipp, wie und wo Filmfans am besten Berlinale-Karten ergattern können?

Dieter Kosslick: Am einfachsten ist die Kartenbestellung online – wenn man rechtzeitig drückt. Ansonsten muss man anstehen, um Karten zu bekommen. Oder man geht auf Hochrisiko und wartet am roten Teppich darauf, dass der Berlinale-Direktor – der immer noch zwei, drei Karten in der Tasche hat – ein Ticket verteilt. Ich habe immer Karten dabei für kurzfristig eintreffende Gäste, die direkt vom Flughafen kommen.

PZ: Davon könnte dann aber auch mal Frau Müller aus Berlin-Moabit profitieren?

Dieter Kosslick: Ja, gerade die, und Herr Müller auch.

PZ: Nur noch wenige Tage bleiben bis zum Start, sind Sie gerüstet? Haben Sie schon die Angora-Unterwäsche für die Berliner Kälte auf dem roten Teppich aus dem Schrank geholt?

Dieter Kosslick: Ich bin bereit, die Angora-Unterwäsche auch. Ich könnte mich schon mal probeweise auf den roten Teppich stellen.