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Mit kahlgeschorenem Kopf hat sich Bryan Cranston in das Gedächtnis der Fans gespielt: als Drogenhersteller Walter White in der Serie „Breaking Bad“. Foto: Buck
Mit kahlgeschorenem Kopf hat sich Bryan Cranston in das Gedächtnis der Fans gespielt: als Drogenhersteller Walter White in der Serie „Breaking Bad“. Foto: Buck
03.07.2017

PZ-Interview mit dem „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston

Als Drogenkoch wurde Bryan Cranston weltberühmt. In der Fernsehserie „Breaking Bad“ spielte er den krebskranken Chemielehrer Walter White. Beim PZ-Interview auf dem Münchner Filmfest, bei dem er seinen neuen Film „Wakefield“ vorstellte und das am Wochenende zu Ende ging, zeigte sich: Der Schauspieler ist auch ein charmanter Geschichtenerzähler.

PZ: In „Wakefield“ spielen Sie einen Mann, der aus seinem Alltag zwischen Beruf und Familie plötzlich aussteigt. Wollen Sie auch manchmal Abstand von dem ganzen Trubel um ihre Person nehmen?

Bryan Cranston: Ich bin mittlerweile so viel unter Leuten. Ich arbeite mit jeder Menge verschiedener Leute zusammen, und dann stehe ich ständig in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Wenn ich für etwas Werbung mache wie für einen Film, nimmt das noch zu. Alles ist sehr öffentlich. Wenn ich nicht arbeite, ziehe ich mich zurück in meine Privatsphäre.

PZ: Vermissen Sie die Zeit, als Sie sich noch völlig unbehelligt bewegen konnten wie jeder andere auch?

Bryan Cranston: In gewisser Weise ja. Andererseits bin ich hier, weil ich etwas erreichen konnte und Glück hatte. Ich bin dankbar. Ich muss mir finanziell keine Sorgen machen. Ich müsste nie wieder arbeiten. Und das ist ein schönes Gefühl. Jetzt mache ich nur noch das, was ich will. Ich mache Dinge, die mir künstlerisch etwas bedeuten und die mir das Gefühl geben, etwas zu leisten und ausgefüllt zu sein.

PZ: Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?

Bryan Cranston: Als Kind war ich arm. Wir hatten kein Geld. Seit sich das alles verändert hat, bin ich sehr dankbar für mein großes Glück. Und ich nehme nichts für selbstverständlich. Aus irgendeinem Grund ist mir das alles zugefallen, im großen Stil, auch durch harte Arbeit. Ich habe das harte Arbeiten von meinen deutschen Großeltern gelernt.

PZ: Ihre Großeltern waren Bäcker in Hamburg, gingen dann aber in die USA.

Bryan Cranston: Ja. Ich habe mit ihnen ein Jahr lang gelebt. Meine Eltern hatten sich getrennt, und wir haben unser Zuhause verloren. Mein Vater hat die Familie verlassen, meine Mutter fing an zu trinken. Und mein Bruder und ich kamen zu meinen Großeltern. Wie viele Deutsche waren sie sehr streng, doch das Fundament waren Liebe und Beständigkeit. Mir war nicht klar, wie sehr ich das brauchte.

PZ: Welche Geschichten haben Sie als Kind geliebt? Waren das vielleicht „Grimms Märchen“ aus der Heimat ihrer Großeltern?

Bryan Cranston: „Grimms Märchen“ waren sehr beliebt. Ich kann mich auch noch an einen Kinderreim erinnern. Kennen Sie „Hoppe, Hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er“?

PZ: „Fällt er in den Graben

Bryan Cranston: ...„fressen ihn die Raben. Fällt er in den Sumpf...“

PZ: „macht der Reiter plumps.“

Bryan Cranston: Dann öffnet man die Knie und das Kind rutscht nach unten. Das haben meine Großeltern gesungen. Das war fröhlich, und man war voll Vorfreude. Eine schöne Erinnerung. Das ist Geschichtenerzählen. Das sind unsere frühesten Erinnerungen.

PZ: Welche Rolle spielt Walter White beziehungsweise seine Tarnidentität Heisenberg noch in Ihrem Leben, seit sie vor vier Jahren die letzte Folge abgedreht haben?

Bryan Cranston: Ich habe „Breaking Bad“ viel zu verdanken, das hat meine Karriere nach oben katapultiert und mir enorme Möglichkeiten eröffnet. Aber ich vermisse es nicht, Walter White zu spielen, denn Vince Gilligan (der Produzent und Ideengeber) hat sie so wunderschön zu Ende gebracht. Wir hatten Anfang, Mitte und Ende. Der Kreis hat sich geschlossen. Es ist vollkommen, und ich bin zufrieden.

PZ: Sie sagten kürzlich sogar, sie seien der glücklichste Mensch der Welt.

Bryan Cranston: Schauen Sie mich doch an. Ich bin in München auf einem schönen Filmfest. Ich stelle einen Film vor, in dem ich die Hauptrolle spiele. Ist das nicht großartig? Und das bei jemandem, der eine zerrüttete Kindheit hatte. Ich war sehr unsicher, als ich jung war, vor allem weil meine Familie auseinandergebrochen ist. Das hat mir Angst eingejagt. Ich dachte damals: Meine Grundlage ist zerbrochen und weg. Mir wurde klar, ich muss mir meine eigene Grundlage schaffen, mit meiner eigenen Familie.

PZ: Sie sind ja auch nicht berühmt für irgendwelche Skandale.

Bryan Cranston: Ich habe eine wirklich gute Ehe. Ich bin seit 30 Jahren mit derselben Frau verheiratet. Meine Ehe ist so solide, so normal. Das erlaubt es mir, in meinen Rollen verrückt zu spielen. Ich kann durchdrehen, weil ich danach wieder nach Hause gehen kann.