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Das Coachella hat sich vom Hippie-Festival in der kalifornischen Wüste zum Mekka für Sonnenanbeter entwickelt. Jedes Frühjahr reisen Tausende Stars, Neureiche, Blogger und Influencer nach Indio, um gut gelaunt in sommerlich-sexy Outfits vor den Riesenrädern zu posieren und ihre Bilder auf Instagram zu posten. Foto: Harris/Invision/AP/dpa
Das Coachella hat sich vom Hippie-Festival in der kalifornischen Wüste zum Mekka für Sonnenanbeter entwickelt. Jedes Frühjahr reisen Tausende Stars, Neureiche, Blogger und Influencer nach Indio, um gut gelaunt in sommerlich-sexy Outfits vor den Riesenrädern zu posieren und ihre Bilder auf Instagram zu posten. Foto: Harris/Invision/AP/dpa
28.05.2018

Parallelwelten und Urlaubsgefühle: Festivals im Wandel

Nürnberg. Bei Musikfestivals geht es längst nicht mehr nur um die Konzerte. Die Events entwickeln sich immer weiter zu Erlebnis-Oasen. Als schillerndes Beispiel dient dafür das berühmte Coachella-Festival in Kalifornien.

Riesenrad, Palmen und jede Menge Trendsetter: Das Coachella in Kalifornien gilt als eines der erfolgreichsten Musikfestivals der Welt. Jedes Jahr im April pilgern angesagte Leute auf das Wüstengelände nahe Palm Springs. Im Publikum sind wohl mehr Stars zu finden als auf der Bühne. Instagram-Bilder vor dem Coachella-Riesenrad sind auch für sogenannte Influencer (von „influence“– Einfluss) ein Muss. Die Musik rückt bei all dem Rummel etwas in den Hintergrund. Sieht so auch die Zukunft der Festivals in Deutschland aus?

„Die Festivalkultur in den USA unterscheidet sich deutlich von der hierzulande“, sagt Stephan Thanscheidt, Geschäftsführer von FKP Scorpio. Seine Firma veranstaltet mehr als 25 Festivals in sieben Ländern, darunter das „Hurricane“ im niedersächsischen Scheeßel und das „Southside“ in Neuhausen in Baden-Württemberg, die jährlich zusammen etwa 120 000 Besucher anlocken.

Insgesamt werde das Rahmenprogramm immer wichtiger, sagt Thanscheidt. „Wir schaffen keine Lifestyle-Kulissen, sondern überlegen stattdessen sehr genau, welcher rote Faden zu welchem Festivalkonzept passt.“ Man könne zusammengefasst sagen: „Der Trend geht hin zum Festivalerlebnis. Aber die Musik ist und bleibt das Herzstück auf all unseren Festivals.“ Bewusst ergänzt um ein passendes Camping- und Gesamtkonzept. Wie etwa beim „A Summer’s Tale“ in Luhmühlen in der Lüneburger Heide, das FKP-Scorpio seit 2015 organisiert. Neben Musik werden auch Workshops angeboten: Wein-Seminar, Plattdeutsch, Yoga und japanische Teezeremonie. Das Festival spreche ein erwachseneres Publikum an, sagt Thanscheidt.

Innovativ ist auch das Parookaville in Weeze an der deutsch-niederländischen Grenze. Das Konzept des Electro-Dance-Festivals basiert darauf, dass sich der ehemalige Militärflughafen in ein Dorf verwandelt mit Schwimmbad, Postamt und einer Kirche zum symbolischen Heiraten, auch hier gibt es ein Riesenrad.

Die erfolgreichsten Festivals der Welt, wie eben Coachella, seien keine reinen Musikfestivals mehr, sondern Showkonzepte mit klarem Fokus auf ein einmaliges Gesamterlebnis, sagt Bernd Dicks, einer der Gründer von Parookaville. Natürlich sei es der Anspruch von Veranstaltern, Weltstars und Szene-DJs auf die Bühnen zu bringen. Das erwarteten auch die Besucher. „Den rasanten Erfolg und seine Einzigartigkeit verdankt Parookaville allerdings vor allem der Tatsache, dass die ,Bürger‘ hier vier Tage in eine Parallelwelt eintauchen können.“

Laut Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft gibt es in Deutschland über 250 Festivals. Die Szene sei im Umbruch, sagt Verbandspräsident Jens Michow. Komfort werde wichtiger. Doch auch heute gelte: „Ohne vernünftiges Line-up kann man kein erfolgreiches Festival veranstalten.“