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Filmpräsentation mit Arman Riahi, Koki-Leiterin Christine Müh und Faris Endris Rahoma (von links). Foto: Roller
Filmpräsentation mit Arman Riahi, Koki-Leiterin Christine Müh und Faris Endris Rahoma (von links). Foto: Roller
12.09.2017

Parodie statt Vorschlaghammer im Film die „Die Migrantigen“

Pforzheim. Kaum ein Klischee über Ausländer gibt es, das in diesem Film nicht vorkommt: Die Migranten tragen Jogginghosen, essen nur Döner, dealen mit Drogen und hauen sich im Boxclub eines auf die Nase. Arman T. Riahis Film „Die Migrantigen“ greift so ziemlich alle Vorurteile auf – um sie später als vollkommen haltlos und absurd zu entlarven. Ihn störe es, dass viele Menschen oft auf ihren Migrationshintergrund reduziert werden, sagt er, als er seinen Film zusammen mit Hauptdarsteller Faris Endris Rahoma im Kommunalen Kino vorstellt.

Und er findet es nicht gut, dass in der Debatte um Migration oft von einem klassischen Täter-Opfer-Verhältnis gesprochen wird. Das klingt nach schwerer Kost, ist es aber nicht. Riahis Film, übrigens der erste Spielfilm des im Iran geborenen Österreichers, ist eine Sozialkomödie – kurzweilig und intelligent gemacht zugleich.

Eine Geschichte, die überall passieren könnte, wie Riahi sagt. Gedreht hat er mit professionellen Schauspielern und mit Laien. Im Mittelpunkt der Handlung stehen die Freunde Benny (Faris Endris Rahoma) und Marko (Aleksandar Petrovic), die zwar Kinder von Migranten sind, aber zur Kultur ihrer Eltern kaum noch Bezug haben. Für eine ehrgeizige TV-Produzentin schlüpfen sie in die Rollen der klischeehaften kriminellen Ausländer. Ein Betrug, von dem sie sich zwar Ruhm und Reichtum erhoffen, aber gleichzeitig den Frieden in einem Multikulti-Wohnviertel aufs Spiel setzen. Den Fernsehleuten ist das egal. Hauptsache, die Quote stimmt. Damit ist der Film auch eine scharfe Kritik an den Medien und der Art ihrer Berichterstattung.

Das klingt fast ein bisschen nach Lügenpresse. Aber so sei das nicht gemeint, stellt Riahi klar. Es gehe nicht darum, die Medien und die Presse unter Generalverdacht zu stellen. Er halte sie in einer Demokratie für wichtig. Allerdings, so der Österreicher, habe er beobachtet, dass bei den Themen Migration und Integration tendenziell berichtet werde. Wenn man ihm in Pforzheim zuhört, dann merkt man schnell: Riahi ist einer, der eine Meinung hat und sie auch sagt – charmant und mit einem Lächeln. So ist auch sein Film: Das Entlarven ausländerfeindlicher Stereotype geschieht nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern wesentlich subtiler und mit den Mitteln der Satire.

Da lässt es sich auch verschmerzen, dass dem Ganzen, besonders in der Zeichnung der Charaktere, etwas mehr Tiefgang gutgetan hätte. Dennoch ein absolut sehenswerter Streifen. Nicht nur, weil die anderthalb Stunden wie im Flug vergehen. Sondern auch, weil er auf ein wichtiges Thema aufmerksam macht, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu erheben. Als Riahi und Rahoma kurz vor Mitternacht die Bühne verlassen, bricht tosender Beifall los. Nico Roller