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Mathias Kohlmann und Heidrun Maria Hahn in der Herz-Jesu-Kirche.  Molnar
Mathias Kohlmann und Heidrun Maria Hahn in der Herz-Jesu-Kirche. Molnar
22.11.2017

Pathetische Trauermusik mit Mathias Kohlmann und Heidrun Maria Hahn

Pforzheim. Ein Jahr vor seinem Tod schrieb Johannes Brahms seine „Vier ernsten Gesänge“ op. 121 – in einer Zeit, die von persönlichen Verlusten geprägt war. Dazu zählte auch der Tod der Freundin Clara Schumann, die bei der Fertigstellung der Stücke 1896 verstarb. Um Tod und Vergänglichkeit geht es denn auch in den Vertonungen aus der Heiligen Schrift, die ursprünglich für Bassstimme komponiert waren. In der katholischen Herz-Jesu-Kirche werden die Lieder anlässlich des Volkstrauertags von der Mezzosopranistin Heidrun Maria Hahn interpretiert und von Kirchenmusikdirektor Mathias Kohlmann an der Orgel begleitet.

Dunkel beginnt der Organist das erste Lied aus Prediger Salomo, Kapitel 3, „Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh“. Mit opernhafter Stimmgewalt und expressivem Vibrato setzt die Sängerin auf der Empore ein. Auch die folgenden beiden Gesänge sind eher düstere Gesänge über Texten aus dem Alten Testament. Markant im dritten ist vor allem das wiederholte „O Tod, wie bitter bist du“, das die Sopranistin eindringlich gestaltet. Nach der Repetition im zweiten Teil hellt sich der Ton in der Orgel auf, klingt bei der folgenden Gesangszeile „O Tod, wie wohl tust du dem Dürftigen“ et-was versöhnlicher. Dies wird im vierten Gesang „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete“, einem Text aus dem Neuen Testament, noch verstärkt.

Glaube und Hoffnung stehen im Vordergrund – und die Lobpreisung der Liebe. Gerade diese warmherzige Partie vermag Hahn schön auszudrücken. Pathetische Trauermusik erklingt auch in den Soli des Organisten mit Bachs Praeludium und Fuge c-Moll, BWV 546, Mozarts Fantasie f-Moll, KV 594 und Karl Hoyers Variationen und Fuge über das Lutherlied „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“. Fast ein Unikum ist Mozarts „Orgelwerk in eine Uhr“, hat er doch nur drei Solowerke für Orgel überhaupt geschrieben. Dieses entstand 1790 zum Tod von Feldmarschall Laudon und enthält neben elegischen auch feierliche Passagen. Differenziert gestaltet Kohlmann die abschließende Choralfantasie nach Vorbild von Max Reger – mit lautem Akkord zu Beginn, mit nachdenklichen, zart registrierten Läufen und einer gesteigerten Fuge.