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Eingespieltes Duo: Pe Werner und Pianist Peter Grabinger.  Foto: Morelli 

Pe Werner erfindet Weihnachten neu: Sängerin gastiert mit „Ne Prise Zimt“ im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Man muss den Winter nicht mögen und sich dem Weihnachtskitsch hingeben, um die Saison facettenreich und hingabevoll zu besingen. Das beweist Pe Werner am Donnerstagabend im Osterfeld mit ihrem Programm „Ne Prise Zimt“, begleitet vom Pianisten Peter Grabinger.

Voller Humor, Leidenschaft und Wortwitz beschwert sie sich in ihren Liedern und überleitenden Anekdoten über kalte Füße, optischen Presswurstalarm und den Matsch namens Schnee, der nur im Fernsehen weiß und glanzvoll daherkommt und in Wahrheit nach nie gereinigtem Katzenklo stinkt. Mit einem Potpourri aus umgedichteten Weihnachtsliedern beschreibt sie den Konsumwahnsinn im Advent, der im Familiendrama am Heiligabend ausartet, bis der eingeschalte Fernseher den Irrsinn beendet. Auch die zunächst besinnlich anmutende Weihnachtsgeschichte entpuppt sich schnell als makabrer Mord der Försterin an ihrem Ehemann, die die Einzelteile als Geschenke verpackt für Knecht Ruprecht bereithält.

Entstanden sei das Album über drei Wochen bei 36 Grad im Schatten auf Mallorca, erzählt Pe Werner, weil eine Freundin sie herausgefordert hatte. Sie solle es doch besser machen, bekam sie zu hören, als sie wieder einmal über die schrecklichen Weihnachtsplatten wetterte. Ihre Abneigung spornt ihre Kreativität an und so verpasst sie selbst dem Dauerschleifenhit „Last Christmas“ einen neuen Anstrich. Die Uminterpretation als Polka, Walzer, Schlager, Rap, Reggae, Rammstein-Metal im Strobolicht und Blues scheint Grabringer und ihr genauso großen Spaß zu bereiten wie dem Publikum.

Fasten ist keine Option

„Wie kommst du übern Winter?“, heißt einer ihrer Liedtitel. Im Laufe des Abends hält Pe Werner einige Ratschläge dafür parat. Wer sich schon zu lange ungeküsst fühlt, weil die letzte Liebe längst Schnee von gestern ist, könne sich in der Weihnachtsbäckerei einen Knilch backen, wie sie in einer Büttenrede ausführt. Bei veganem Besuch lässt sich der Braten als schmackhafte Bio-Tofu-Gans verkaufen. Fasten im Advent ist in jedem Fall keine gute Idee. Ins Schwärmen kommt Pe Werner beim Gedanken an verkochtes Blaukraut und angebratene Klöße mit der Soße ihrer Oma, zu deren Geheimrezept ne Prise Zimt im Titel des Programms gehört. So blinken an dem Abend voller Ironie und guter Laune auch immer wieder nostalgische und nachdenkliche Momente auf.