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Um immateriellen Luxus geht es im „PFenny“-Markt, wo die Studenten Ellen Kunze und Yanic Leipzig als „Verkäufer“ arbeiten.  Roller
Um immateriellen Luxus geht es im „PFenny“-Markt, wo die Studenten Ellen Kunze und Yanic Leipzig als „Verkäufer“ arbeiten. Roller
14.07.2017

Persönliche Eindrücke von der Design-Woche an der Hochschule

Ja, ich gebe es zu: Als ich nach fast zwei Stunden alle Ausstellungsräume der Designwoche der Hochschule in der Holzgartenstraße durch habe, denke ich kurz: „Puh, endlich fertig.“

Aber nicht etwa, weil es langweilig gewesen wäre, sondern weil ich von der Fülle an Ideen, Konzepten, Herangehensweisen und Ausdrucksformen regelrecht überwältigt bin, um nicht zu sagen: erschlagen. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass man sich dem Thema Luxus auf so viele unterschiedliche Weisen nähern kann.

Einiges ist leicht zu begreifen. Dass Schmuck und schnelle Autos etwas mit Luxus zu tun haben könnten, das habe ich vorher irgendwie schon geahnt. Bei anderen Kunstwerken brauche ich dagegen eine Weile. Etwa im Fall der großen grauen Tischplatte, die im Raum der Bildhauerklasse im Erdgeschoss aufgestellt ist. Auf ihr liegen mit einigem Abstand viereckige, hellgraue Formen. Zwischen ihnen stehen Gegenstände, die aussahen wie Pilze, Trinkgefäße und goldene Bäume. Zumindest sehen sie für mich so aus. Was soll das Ganze bloß? Dann entdecke ich das Schild, auf dem steht, dass das Kunstwerk den Pforzheimer Leopoldplatz zeigen soll. „Ohne Auto“ und „saubere Luft“ ist dort auch zu lesen. Jetzt fällt auch der Groschen: Die hellgrauen Formen, das sollen die Gebäude entlang des Platzes sein. Und der dunkelgraue Untergrund, das ist die Westliche Karl-Friedrich-Straße. Und die Pilze, Trinkbecher, goldenen Bäume sollen wohl vielleicht große Objekte sein, die den Bus-Verkehr ausbremsen.

Gut gefällt mir das Kunstprojekt im Foyer. Dort haben die Studenten einen kleinen Supermarkt aufgebaut, passend zur Goldstadt einen „PFenny“-Markt. In den Regalen des kleinen Einkaufsmarkts stehen Becher mit der Aufschrift „Zeit“, „Intelligenz“-Flaschen und „Freundschafts“-Dosen. Alles immaterielle Güter, die in unserer schnelllebigen, auf Leistung fixierten Gesellschaft leider oft zu kurz kommen. Für den Artikel „Sorglosigkeit“ hätten sich bislang die meisten Besucher entschieden, erzählen mir die Studenten Ellen Kunze und Yanic Leipzig. Sie stehen in dem ungewöhnlichen Einkaufsmarkt hinter der Kasse. Bei ihnen kann man auf einem Zettel angeben, was man bereit wäre, für „Freundschaft“ oder „Zeit“ einzutauschen. Keine leichte Frage. Jedenfalls kann ich spontan nicht sagen, was mir „Sorglosigkeit“ wert wäre.

Apropos wertvoll: „In fünf Jahren ist Farbe das Luxussymbol“, lese ich im dritten Stock im Raum „Rohstoffe des Luxus“. Versteht ich nicht! Gemeint sei nachhaltig produzierte Farbe, keine chemische, erklärt mir Studentin Sabrina Guschlbauer. Keine Ahnung, ob diese These wirklich stimmt. Aber sie ist provokant – und stellt die Verbindung zwischen Luxus und Nachhaltigkeit her.

Provozierend finde ich auch die Werbeplakate im Gang des zweiten Stocks. Es sind nur eine handvoll und vermutlich laufen die meisten Besucher daran vorbei, ohne sie zu beachten. Auf einem ist eine Sektflasche abgebildet, auf deren Etikett steht „Meinung & Freiheit“. Überhaupt ist mein Eindruck, dass die Studenten oft ganz schön um die Ecke gedacht haben. Natürlich mit dem Nebeneffekt, dass mir nicht immer ganz klar ist, was die gezeigten Kunstwerke und Videoinstallationen, die Semesterarbeiten und Bachelor-Präsentationen mit dem Thema Luxus zu tun haben. Aber das ändert nichts daran, dass ich sie mir gern angeschaut und meine eigenen Gedanken darüber gemacht habe. Und mal ganz ehrlich: Geht es bei Kunst nicht genau darum?